Unmutig im heißen Sonnenbrand schlendert er um Mittag heimwärts. Er schreitet wieder über das Holzbrückchen und sieht abermals den wenig höflichen und anständigen Herkules; die Sonne beleuchtete ihn auffällig hell, wie er so dastand und beinahe höhnisch die eine Hand rückwärts unterhalb des Rückens legte.
Otto hatte eine Schrotladung in seiner Flinte; heimbringen wollte er sie nicht wieder, und, einer raschen Laune folgend, riß er die Waffe von der Schulter, legte an, und der Schuß krachte. Von dem Herkules splitterte es, und der Leib zeigte eine bedeutend hellere Stelle in der Nähe der Hand, der junge Schütze aber ging, wie im Bewußtsein einer guten Tat, heimwärts. Am anderen Tage kam er mit seinem Vater an derselben Stelle vorüber, und Herr von Bismarck sah den Herkules an, was mit ihm geschehen war.
»Das hast du wohl verübt, Otto?«
»Ja, Papa,« antwortete der Gefragte, »aber ich habe nicht gemeint, daß er’s spüren wird; er hat jedoch gleich mit der Hand nach hinten gefaßt.«
Der Rittmeister lächelte halb abgewandt, und damit war die Sache abgetan.
Im Herbste ging es wieder nach Berlin und ins Gymnasium. Es kam die Zeit, in welcher Otto sich auf sein Abiturientenexamen vorzubereiten hatte, und er arbeitete mit Eifer und Lust. Ab und zu besuchte er auch Bruder Bernhard, welcher als Offizier in Berlin diente und in der elterlichen Wohnung in der Behrenstraße wohnte.
Eines Tages kam er mit einer gewissen Aufregung. Er fand Bernhard nicht daheim und setzte sich nun auf das Sofa, um das Zimmer, obwohl er es lange kannte, einer Musterung zu unterziehen. Da blieb sein Blick plötzlich an der Stelle haften, wo neben dem Bücherschrank an der Wand zwei lange Reiterpistolen hingen. Im nächsten Augenblicke sprang er auf und holte die Schießwerkzeuge herab. Er prüfte die Hähne und fand alles in Ordnung. Nun suchte er nach Pulver und Kugeln, und da er die Verhältnisse der Wohnung ziemlich genau kannte, fand er beides. Frisch ward jetzt geladen und nach einem Ziele geforscht. Er riß den Bücherschrank auf und fand unten in demselben eine Scheibe. In wenigen Augenblicken war sie an dem Schranke befestigt, und gleich darauf krachte der erste Schuß.
Und nun ging es Schlag auf Schlag. Das ganze Haus kam auf die Beine. Man wußte nicht, was vorging, und traute sich anfangs nicht in die Wohnung, bis die Beherzten eindrangen, und nun mit Entsetzen diese Schießübung sahen. Einer hatte den Mut, sie zu verbitten. Otto aber sagte, ohne sich stören zu lassen: »Hier hat mir niemand etwas zu sagen!« und krachend schlug die nächste Kugel in die Scheibe.
Da kam Bernhard; er eilte erschrocken die Treppe empor, aber als er den Vorgang sah, wußte er nicht, sollte er lachen oder schelten. Fürs erste aber hörte nun doch zur Beruhigung der Hausbewohner das Schießen auf, und Bernhard fragte:
»Aber nun sage mir, Junge, was dir eigentlich eingefallen ist?«