Zwischen den grünen Bäumen sieht das Schlößchen hervor, schlicht, mit Holzfachwerk, aber traulich und behaglich. Aus dem Eingang tritt ein Knabe, fünfjährig, schlank, mit blondem, leicht gelocktem Haar, und schaut mit hellen, blauen Augen in die Welt. In dem frischen Gesichte ist Lebenslust und Tatendrang zu lesen. Er sieht hinauf nach dem heiteren Himmel, hinüber nach den grünen Bäumen des Parks, steckt die Hände in die Taschen und steht nun breitbeinig da, offenbar in der Überlegung, woran er im Augenblicke seine junge Kraft am besten erproben könne.
Da kam ein Knecht.
»Jochem, wohin?« rief der Kleine.
»Der Fuchs muß ein neues Eisen haben!« sagte der Angeredete in behaglichem Platt.
»Da geh’ ich mit!« jauchzte das Bürschlein, offenbar erfreut über den Fingerzeig des Schicksals, und nun trabte er lustig neben dem Manne her nach dem Wirtschaftshofe und in den Stall. Der Fuchs wurde herausgeholt. »Jochem, setz mich drauf!« gebot der Kleine, und der Knecht hob ihn auf den breiten Rücken des Tieres, über welchen die kurzen Beinchen des Reiters kaum wegreichten. Daß der Mann das Pferd am Halfter führte, duldete das Bürschchen nicht, er mußte es frei gehen lassen, und der Kleine hielt sich an der Mähne und suchte nun durch Zuruf den Ackergaul zu einem rascheren Tritt zu bringen, was ihm aber nicht gelang.
Beim Schmied hob ihn der Knecht wieder ab, und nun stellte er sich so, daß er die glühende Esse und den Amboß sah. Die jungen Augen blitzten vor Lust, wenn unter den Hammerschlägen des Meisters die Funken sprühten, und am liebsten hätte er selbst zu dem verrußten Werkzeug gegriffen und mitgeholfen, denn er ahmte unwillkürlich die Bewegungen des Schmiedes nach. Aber nicht lange hielt er aus, dann schlenderte er, die Hände in den Taschen, weiter, hinaus ins Freie. Die Wiesen, reif zum Gemähtwerden, standen voll saftigen Grases und im bunten Blütenschmuck. An ihnen hinstreifend, pflückte er Blumen, und dazu sang er ein Kinderlied.
Die Zampel fließt durch das grüne Gelände; Erlen und Weiden neigen sich schattend über das klare Wasser, und zwischen ihnen ragen stattliche Ulmen. Dorthin lenkte der Knabe seine Schritte, brach sich einen Zweig aus dem Gebüsch, streifte die Blätter ab und köpfte nun die fetten, roten Disteln, die so protzig über den Wiesengrund emporragten. Während dieser Beschäftigung sah er einen Reiter auf einem Feldwege kommen. Hastig lief er ihm entgegen und schrie schon von weitem jauchzend: »Papa, Papa!«
Der Angerufene hielt sein Pferd an. Es war ein stattlicher Herr mit einem gutmütigen Gesicht, aus dem die Freude lachte über den munteren, frischen Jungen.
»Was machst denn du hier, Otto?« fragte er.
»O nichts, Papa, ich gehe spazieren und schlage dabei den Disteln die dicken Köpfe herunter! Darf ich mit dir?«