Der Reiter beugte sich herab und hob den kleinen Burschen empor, welchen er vor sich hinsetzte, und der nun ohne weiteres die Zügel nahm. Der Braune schien ähnliches gewohnt zu sein, er schritt munter aus und langte bald bei dem Herrenhause an. Ein Knecht nahm das Tier in Empfang und hob den Kleinen aus dem Sattel, und dann ging dieser an der Hand des Vaters in das Herrenhaus.
»Nun, Otto,« sagte dieser, »nächste Woche kommt Bernd (Bernhard) aus Berlin!«
»Ach, das wird hübsch!« jauchzte der Bursche, »weiß das Mama schon und Lotte Schmeling?«
Und ohne eine Antwort abzuwarten, stürmte er in das Haus und in das Gemach, in welchem er seine Mutter vermutete. Eine hochgewachsene, schöne Dame mit klaren, freundlichen Augen trat ihm entgegen.
»Wo steckst du denn, Otto, und so erhitzt?« sagte sie mit gütigem Vorwurf und strich mit der weißen Hand über die feuchten, zerzausten Locken ihres Lieblings.
»Ach, ich komme mit Papa und bin auf dem Braunen geritten – und nächste Woche kommt Bernd. Da wird’s lustig! Er erzählt immer so hübsch von Berlin. Darf ich auch nach Berlin, Mama?«
»Ja, ja, mein Junge!«
Er küßte die Hand der Mutter und war hinaus, noch ehe der Vater eintrat. Er eilte nach der Küche, wo »Lotte Schmeling« regierte.
»Ach Lotte, gib mir zu essen, ich habe Hunger – und weißt du – nächste Woche kommt Bernd!«
Viel Zeit gönnte er sich zur Stillung seines Hungers nicht, denn bald darauf war er wieder im Parke. Einen Teil seines Frühstücks trug er noch in der Hand, und die kleinen Taschen hatte ihm Lotte Schmeling vollgestopft mit Speiseresten, denn er wollte die Karpfen füttern. Aber im Parke hielt ihn manches auf. Wenn er einen Vogel locken hörte, blieb er stehen, weil er wissen mußte, wen er vor sich habe; wo ihm ein Nestchen in den Büschen bekannt war, sah er vorsichtig nach, ob noch alles in demselben und um dasselbe in Ordnung sei; wo ein Eichkätzchen an einem Stamme hinhuschte, mußte er seinen Weg verfolgen und sich an seinem possierlichen Wesen ergötzen.