»Und für uns ist die Unterdrückung des Aufstandes eine Frage über Leben und Tod; übrigens ist es nutzlos, hier nicht vorliegende Möglichkeiten weiter zu erörtern.«

Das war am 11. Februar gewesen, und eine Woche später stand der Ministerpräsident im Abgeordnetenhause den erregten Volksvertretern in derselben Angelegenheit gegenüber, und schwertscharf gingen die Worte hin und her, so daß nicht lange darauf von dem König die Entlassung des Ministeriums verlangt wurde.

Dieser aber hielt seinen Minister, und der Landtag wurde aufgelöst.

Aber trotz aller Anfeindungen fehlte es für Bismarck auch nicht an ehrenvollen und ermunternden Anerkennungen. Besonders freute es ihn, als eine Anzahl Patrioten ihm einen Ehrendegen überreicht hatte, der auf der einen Seite der Klinge das Wahrwort des alten Ritters Frundsberg: »Viel Feind’ viel Ehr’« trug, auf der anderen Seite aber unter Bismarcks Wappen das Wort:

Das Wegkraut sollt du stehen lan,

Hüte dich, Jung, sind Nesseln dran.

Am 17. März 1863 hat er die schöne Waffe zum erstenmal getragen an einem schönen Feste. Ein halb Jahrhundert vorher hatte an diesem Tage König Friedrich Wilhelm III. den Aufruf an sein Volk erlassen zu dem heiligen Kampfe gegen Napoleon, und nach fünfzig Jahren versammelte König Wilhelm die Veteranen der Befreiungskriege um sich zu einer erhebenden Erinnerungsfeier. Die breite Straße Unter den Linden entlang zog die ehrwürdige Schar, geführt von dem Feldmarschall Wrangel, hinaus nach dem Lustgarten. Aus allen Fenstern wurden die ersten Blüten des Frühlings den greisen Männern zugeworfen, die an den Steinbildern ihrer heldenhaften Führer vorbeiparadierten, und an dem Orte Halt machten, wo das Standbild Friedrich Wilhelms III. sich erheben sollte. Das alte und das neue Preußen reichten sich hier die Hand, und Gottes helle Sonne beschien den vom besten Streben für sein Volk beseelten König und den stattlichen Recken in Kürassieruniform, der an seiner Seite hielt, den streitbaren und festen Ministerpräsidenten.

Der Konflikt mit der Volksvertretung jedoch dauerte fort, und Mißstimmung und Spannung gegen Bismarck waren noch im Wachsen. Aber nun konnte er sich wenigstens nach den Kämpfen des Tages wieder im Kreise seiner Familie erholen, und Frau Johanna hatte ihm in der Wilhelmstraße eine freundliche Häuslichkeit geschaffen.

Hier feierte er am 1. April 1864 seinen neunundvierzigsten Geburtstag, und er brachte ihm zahlreiche Beweise von Liebe und Anhänglichkeit aus Nähe und Ferne. Unter den vielen Schriftstücken lief auch eins ein, das wunderlich genug war: Das polnische geheime Nationalkomitee in Warschau teilte ihm mit, daß es das Todesurteil über ihn verhängt habe, und daß er der Vollstreckung desselben gewärtig sein solle.

Er las das Schreiben noch einmal, dann schritt er langsam dem Kamin zu, in welchem das Feuer flackerte, und warf den Drohbrief gleichmütig in die Flammen. Es war nicht das erstemal, daß ihm solches begegnete, und Frau Johanna sollte sich nicht ängstigen, wenn ihr der Zufall etwa ein solches Schreiben in die Hände brächte.