Nun ging es wieder der Heimat zu. Mit seinem König traf Graf Bismarck am 4. August bereits in Berlin ein, begrüßt von einer enthusiastischen Volksmenge, die in maßloser Begeisterung dem König und seinem ersten Minister entgegenjubelte. Und schon am nächsten Tage klangen im weißen Saale des königlichen Schlosses die Friedensworte des Herrschers, mit welchen dieser den Landtag eröffnete. Begeisterung in allen Häusern, in allen Herzen, ein ganzes Volk, das dem so lange »bestgehaßten« Manne zujauchzte! Diesem aber ging die Seele auf bei dem Gedanken, wie Gott alles zum Herrlichen gewendet hatte, und in dem Hause in der Wilhelmstraße herrschte Glück und Freude.

Am Abend des 7. August war ein kleiner Kreis von Freunden hier versammelt. Im Salon saßen sie beisammen um den Teetisch, und die anmutige Hausfrau wetteiferte an Liebenswürdigkeit mit dem Gatten, der ganz das Behagen seiner wohltuenden Häuslichkeit empfand. Das war der gewohnte sonnige Hauch, welcher durch diese Räume wehte, der Hauch der vornehmsten und anmutigsten Gastlichkeit, welcher jedem den Aufenthalt hier so lieb machte.

Es mochte um die zehnte Stunde sein, da meldete der Diener dem Hausherrn, daß der französische Botschafter Benedetti um die Ehre einer dringenden Unterredung bitte. Bismarck war gewohnt, sich zu beherrschen; er entschuldigte sich in liebenswürdigster Weise bei seinen Gästen und ging nach seinem Kabinett. Er wußte wohl, weshalb der Franzose gekommen war; es war dieselbe Angelegenheit, welche er schon in Nikolsburg berührt hatte, die Frage wegen Abtretung deutschen Gebiets an Frankreich; aber Preußens Ministerpräsident war entschlossen, diesmal eine ganz unzweideutige Antwort zu geben. Und er durfte das; seines Königs Paladine Moltke und Roon hatten die Waffen geschliffen und konnten mit ruhiger Sicherheit auf eine schlagbereite Armee hinweisen, die stark genug sein würde, es auch mit Frankreich aufzunehmen.

Das ging ihm rasch noch einmal durch den Sinn, als er in sein Kabinett eintrat und Benedetti ihn mit höflicher Entschuldigung wegen der Störung begrüßte.

»Sie vermuten, weshalb ich Sie um einiges von Ihrer Zeit bitte,« begann der Franzose.

»Die schriftlichen Mitteilungen Ihrer Regierung, welche mir zugegangen sind, lassen mich annehmen, daß es sich um die von Frankreich gewünschte deutsche Gebietsabtretung handle.«

Sie hatten sich beide niedergelassen, und Benedetti fuhr fort:

»Frankreich glaubt für seine Haltung in der jüngsten Verwicklung einen Tribut der Dankbarkeit verdient zu haben.«

»Und worin sollte dieser Tribut bestehen?«

»Frankreich wünscht seine Grenze vom Jahre 1814 wiederhergestellt zu sehen.«