»Was ist das hier?« fragte der Herzog.
»Der Vorkamin des Schlafsaals, Durchlaucht!« war die Antwort, und Serenissimus trat näher und befahl zu öffnen. Der Intendant versuchte es, aber vergebens, – die Tür gab nicht nach.
»Das ist ja recht seltsam – findet Er nicht auch? – Das kann doch von außen nicht verschlossen werden, das Hindernis kommt von innen. Wenk!« rief er dem Diener, »versuche Er es einmal, und wenn es nicht geht, so hole Er Sprengwerkzeuge, – das Hindernis muß ich kennen lernen!«
Der Intendant nahm den Leuchter aus der Hand des Lakaien, und dieser begann nun, an dem eisernen Ringe, der außen an dem Türchen war, zu ziehen. Er öffnete es ein wenig, aber gleich darauf schnappte es wieder zu; doch noch kräftiger faßte der Mann an und zog mit der ganzen Wucht seines Körpers, so daß die Tür plötzlich nachgab und er selbst zurückgeschleudert wurde, daß er seinem Herrn zu Füßen fiel. Aus dem geöffneten Eingange quoll ein bläulicher Dampf, und der Herzog rief, indem er dem Intendanten den Armleuchter entriß und in den engen, dunkeln Raum hineinleuchtete: »Nun, Seeger, riecht Er noch nichts? – Und sieht Er auch nichts? – Heraus, Unglücksmensch, wenn es nicht ein Malheur geben soll!«
Auf diesen Befehl ward es in dem Vorkamin lebendig, und gleich darauf kroch eine Gestalt heraus im bequemen Hausrocke und richtete sich, die verhängnisvolle Pfeife noch in der Hand, stramm vor dem Fürsten auf: es war der junge Graf von Nassau.
Beinahe verblüfft schaute ihm der Herzog in das halb verlegene, halb schelmische Gesicht und schien nicht gleich ein Wort zu finden; er leuchtete ihm nur ganz nahe unter die Augen, dann gab er den Armleuchter dem Diener und erfaßte mit der Rechten das linke Ohr des Schuldigen und zog ihn hinter sich her wieder hinein in den Schlafsaal, wo Schiller noch immer vor dem Tische saß, während die andern Mitglieder der »Bande« regungslos in ihren nichts weniger als bequemen Lagen verharrten. Dabei räsonierte er unaufhörlich: »Und das ist einer von den Kavaliers, die mit gutem Beispiel vorangehen sollten; statt dessen treibt er allen Unfug und alle gotteslästerlichen, schädlichen Allotria. Hier, nehme Er sich ein Exempel an Friedrich Schiller, der nur eine bürgerliche Qualifikation hat, und der alles tut zu seiner Erudition, so daß aus ihm etwas werden wird; – aber Er, Nassau, trotz seiner vornehmen Abkunft ist ein Haselant, ein Hansnarr, ein Filou!«
Der Herzog hielt noch immer das Ohr des Schuldigen fest, der alle Bewegungen mitmachte, die sein Peiniger in der Erregung seiner Rede ausführte; jetzt ließ die kräftige Hand los, und wiederum stand der junge Graf in aufrecht straffer, militärischer Haltung da. Er war ein hübscher Bursche mit einem frischen, gutmütigen Gesicht, das auch jetzt im Grunde nicht gerade ängstlich dreinschaute, so daß der Herzog, da er ihn anblickte, eine Regung des Wohlgefallens nicht unterdrücken konnte.
»'s ist schade um Ihn, Nassau, wenn Er so weiter macht! Fühlt Er denn nicht, daß ich's gut mit Ihm meine, hm?«
»Ich anerkenne dankbar Eurer Durchlaucht gnädige Huld, so Höchstdieselben erst heute wieder mir so sichtbarlich erzeigt …«