Auch während des Mahles blieben Zuschauer auf den Galerien, und unter ihnen war auch hier wieder der junge, musikfreundliche Mann. Er hatte sich so gestellt, daß er gerade in das Gesicht Schillers sehen konnte, der sich jetzt ziemlich lebhaft mit seinem Tischnachbar Wilhelm von Hoven unterhielt. Hätte der Beobachter auch noch hören können, so hätte er sich überzeugt, daß Schillers Seele erfüllt war von Goethe, dessen Bild sich ihr tief eingeprägt hatte. Seine Blicke leuchteten, indes er sprach, in kühnerem Feuer, und um die Lippen flog ab und zu ein Lächeln, das dem Gesicht einen eigentümlichen Reiz gab.

»Wilhelm,« sprach er zu dem Freunde, »zu des Herzogs Geburtstage spielen wir Goethes ›Clavigo‹. Zum Henker mit Herrn Uriots[1] französischen Komödien und Operetten! Als ob wir hier nicht in Deutschland lebten und deutsche Dichter hätten! Und Durchlaucht wird sich freuen über ein Werk, dessen Verfasser er nun kennen gelernt und ausgezeichnet hat.«

»Und wer soll den Clavigo spielen?« fragte Hoven.

»Ich selbst, Wilhelm; mich lüstet's einmal, Goethesche Worte vor den erlauchten Ohren zu reden, – es ist mir so, als müßte ich selber das geschrieben haben.«

»Aber die Rolle ist schwer, Schiller!«

»Wir tun, was wir können. Sind wir Meister? – Schon die Absicht und der gute Wille, Gutes zu bieten, ist anzuerkennen. Mit der Seele will ich dabei sein, Wilhelm. Fehlt mir das Organ und die gefällige Bewegung, so mag's der Dichter und der Herzog verzeihen!«

»Du bist auch hier unser Hauptmann!« sagte lächelnd Hoven; Schiller aber drohte ihm abwehrend mit dem Finger.

Jetzt betrat der Herzog den Saal und ging an den Sitzen der Eleven entlang; er winkte ihnen, sich nicht stören zu lassen, und nickte einem und dem andern der Ausgezeichneten auch besonders wohlwollend zu. Bei Schiller blieb er stehen, und als sich dieser erheben wollte, drückte er ihn gutmütig auf seinen Sitz zurück. Dann legte er seinen Arm fast vertraulich auf die Lehne des Stuhles, und während Schiller ihm das Gesicht zuwendete, unterhielt er sich mit ihm. Der Eleve zeigte dabei nicht die mindeste Befangenheit.

»Es freut mich, daß Er wieder seine Sache brav gemacht und wie in der praktischen Medizin und Chirurgie und materia medica so auch in der deutschen Sprache und Schreibart einen Preis erworben hat. Er hat Phantasie und groß Geschick in der Redeweise – das kann Ihm einmal nutzen; aber die Hauptsache ist doch sein Fachstudium. Ja – ich habe Ihm die Preise mit viel Vergnügen gegeben.«

»Durchlaucht sind sehr gnädig zu mir!«