»Ich glaube, daß Er in diesen Tagen das Gegenteil davon gedacht hat. Sei Er ehrlich!«
»Ich will's nicht leugnen, Durchlaucht, daß ich gehofft hatte, mit meiner Arbeit, an die ich meine ganze Kraft und meinen Fleiß gesetzt hatte, Eurer Durchlaucht huldvolle Entlassung aus der Akademie zu erreichen.«
»Ja, sieht Er, auch darin meine ich's gut mit Ihm. Respekt vor Autoritäten muß sein, und den hat Er nicht bewiesen in seiner Dissertation!«
»Auch Autoritäten sind Menschen und können irren, Durchlaucht!«
»Da hat Er recht; – aber es sind ältere und in ihrem Fach erfahrene Männer, die Er mit seiner Meinung tuschieren wollte, – das darf nicht sein; das ist eine geistige Insubordination, und kann ich solche ebensowenig wie eine dienstliche hingehen lassen. Ich bin verantwortlich dafür vor Gott. Also glaub' Er, daß ich's gut meine.«
»Ich bin davon überzeugt, Serenissime.«
»So ist's recht, – und arbeite Er brav weiter, – ein Jahr ist in seinem Alter rasch verflogen.«
Der Herzog legte Schiller die Hand auf die Schulter, nickte ihm besonders freundlich zu und schritt weiter. Dieser aber fühlte sich wieder hingezogen zu dem seltsamen Manne, den er manchmal vermeinte hassen zu müssen, und dem er doch wieder mit einer Art kindlicher Pietät ergeben war.
Der junge Mann auf der Galerie aber hatte kein Auge abgewendet bei diesem Vorgang, und das Interesse für den Karlsschüler da unten mehrte sich. Er fragte einen älteren Herrn, der neben ihm stand: »Verzeihen Sie, mein Herr, kennen Sie vielleicht einzelne von den Eleven?«