Schiller fühlte sich gehoben. »Seid ruhig, ich werde ihnen meine Worte in die Ohren schreien, noch ehe ich die Akademie verlasse, und ich versichere euch, Kerls, sie werden dazu schweigen, selbst Serenissimus wird sie anhören.«
»Das bringst du nicht fertig, Schiller!« rief ein anderer.
»Ob ich's fertig bringe? – Wer will mit mir wetten, daß ich öffentlich im Rangiersaal bei der Entlassung die Kraftstellen meiner ›Räuber‹ ihnen allen ins Gesicht werfe?«
»Ich, – und wäre es auch nur des köstlichen Spaßes halber,« sagte Heideloff; »um was soll's gelten?«
»Ein Dutzend Flaschen Roten für die ›Bande‹,« rief Schiller, »die getrunken werden auf meiner Wohnung, wenn ich erst heraus bin aus der Akademie.«
»Abgemacht, gilt – ihr alle seid Zeugen!« rief Heideloff, und mit vergnügtem Lachen bestätigten das die andern. –
Langsam gingen die Tage. Die ›Bande‹ kam seltener zusammen; denn die Zeit der Prüfungen war erschienen, und es gab, besonders für die Abgehenden, viel Arbeit. Schiller hatte für seine schriftliche Dissertation das Thema »Über den Zusammenhang der tierischen Natur des Menschen mit der geistigen« gewählt, und behandelte es in einer vorsichtigen aber genial übermütigen Weise, so daß, zumal wegen »sehr erbaulichen Bemerkungen« über den berühmten Albrecht von Haller die Arbeit Anerkennung fand und für den Druck bestimmt wurde.
So war es wiederum Winter geworden, und die Zeit der Entlassung der Eleven erschien. Die alljährlichen Zurüstungen wurden getroffen in der üblichen Weise, bis der 14. Dezember gekommen war. Im Rangiersaal entwickelte sich das gewohnte Leben; die Galerien waren gefüllt von Neugierigen, und die Sonne blinkte auch diesmal auf den silbernen Medaillen, die auf dem langen Tische lagen. Auch diesmal sah von oben das geistvolle Gesicht Andreas Streichers herab, und seine Augen suchten den Freund.