»Wirklich – zufällig?« fragte Karl Eugen boshaft, indem ein durchdringender Blick den zusammenknickenden Mann streifte und er aus dessen Hand das Papier in Empfang nahm. Er entfernte sich mit demselben raschen Schrittes, während Walter erst nach einiger Zeit sich aus seiner gebückten Stellung erhob und mit hämischem Lächeln ihm nachblickte. Nicht lange darauf hörte man das Rasseln eines Wagens – der Herzog fuhr gegen Stuttgart.
Um Nachmittag des nächsten Tages wurde Schiller nach dem Schlosse Hohenheim zu seinem Landesherrn befohlen. Kronenbitter hatte ihm seine Uniform ganz besonders gesäubert und den Zopf, sowie die Ohrenröllchen mit größter Genauigkeit gedreht, und so stelzte der Regimentsmedikus zur bestimmten Stunde nach dem Schlosse, ungewiß, was der Herzog von ihm verlangen würde, aber mit der Seelenruhe eines Philosophen; denn im Grunde war ihm Karl Eugen immer ein gnädiger Herr gewesen, und er versah sich deshalb keiner Unannehmlichkeit.
Dieser aber empfing ihn mit finsterem Gesicht. »Da hat Er sich und mir wieder eine saubere Suppe eingerührt mit seiner verfl… Komödie! – Kennt Er den Artikel?« Der Herzog reichte ihm die Nummer des »Sammler« mit Amsteins Aufsatz.
»Zu Befehl, Durchlaucht!«
»Und was gedenkt Er zu tun?«
»Nichts, Durchlaucht; denn der Wisch ist keine Antwort wert, und die Ehre einer literarischen Fehde tue ich seinem Verfasser nicht an.«
Karl Eugen schaute den Sprecher groß an: »Auf Reputation hält Er, das gefällt mir; aber das schafft die Geschichte nicht aus der Welt. Wie, zum Donnerwetter, kommt Er denn zu seiner Äußerung über Graubünden?«
»Halten zu Gnaden, Durchlaucht, die Äußerung ist ja nicht meine persönliche Meinung, also gar keine Behauptung, die erst eine Widerlegung braucht, sondern sie wird von einem Räuber so hingeworfen und noch dazu von dem schlechtesten Burschen der ganzen Bande, und nur ein Dummkopf kann sich darüber mokieren. Auch ist's wohl eine Volkssage, was mir dabei vorgeschwebt hat.«
»Aber bedenkt Er denn nicht, wie unangenehm mir die ganze Sache ist? In der Graubündner Republik ist man uns in Württemberg ohnehin nicht gewogen und erzählt von uns die schlechtesten Dinge. Und nun kommt da ein Württembergischer Regimentsmedikus und bohrt in das Wespennest. Vergißt Er denn, daß er Eleve der Karlsschule war, und daß man mit Fingern auf die Akademie zeigen und mich selber verlästern wird, daß ich nicht besser Zucht zu halten verstehe in derselben. Wer zum Teufel heißt Ihn denn überhaupt Komödien schreiben?«