»Der innere Drang, Serenissime –!«

»Ach was – schwätze Er nicht! Er hat keinen anderen Drang aufkommen zu lassen als den für seine medizinische Wissenschaft. Ich will nicht, daß das Ausland eine wenn auch nur scheinbare Berechtigung findet zu öffentlichen Anklagen. Die ganze Poeterei ist zwecklos, und Er kann keinen Hund damit vom Ofen locken. Es gefällt mir auch nicht, daß Er seine Komödie im Ausland hat aufführen lassen; Er hat wohl viel Beifall, wie ich höre, aber auch anständigen und braven Leuten viel Ärgernis gegeben.«

»Das mögen beschränkte Naturen sein, die nicht den hohen Flug des Dichters und seine tiefere Absicht begreifen – –«

»Maul gehalten!« donnerte der Herzog, der sich immer mehr in Erregung und Zorn hineinredete. »Ich will mich nicht weiter mit Ihm darüber auseinandersetzen, – ich sage Ihm nur das, daß es Ihm von Stund' ab verboten ist, etwas anderes als medizinische Schriften drucken zu lassen, und daß Er sich nicht unterstehe, irgendeine weitere Verbindung mit dem Auslande zu unterhalten.«

Schiller fühlte, wie ein heißer Schmerz ihm die Seele zusammenzog; dies Verbot hieß seinen Geist in Fesseln legen und ihn zum Sklaven machen; es brach seine schönsten Hoffnungen, und mit bebenden Lippen wagte er zu sagen: »Halten zu Gnaden, Durchlaucht, – das ist so viel, als dem Vogel das Fliegen und Singen, dem Fische das Schwimmen zu verbieten. Die Poesie ist meine Lebensluft, und wenn ich ihr entsagen muß, geht es mir ans Leben!«

»Das ist Firlefanz – weibische Einbildung! Selbstzucht muß Er üben, das hab' ich Ihm schon vordem gesagt, und darum wiederhole ich Ihm: Bei Strafe der Kassation schreibt Er mir keine Komödien mehr!«

Der Herzog wandte sich ab, Schiller war entlassen, und langsam ging er die Treppe hinab. Aber da er vor dem Schloßtor stand, streckte er seine hohe Gestalt und atmete tief, als wolle er die Luft der Freiheit einsaugen, und seine Lippen murmelten: »Frangor, non flector – lieber gebrochen, als gebogen werden!«

Dann ging er mit weitausgreifenden Schritten durch die Gassen der Hauptstadt und wandte sich nach dem »Ochsen«. Dort traf er die Freunde beim Kegeln, und sie sahen einigermaßen verwundert auf, als sie ihn in der steifen Paradeuniform kommen sahen.

»Was feierst du denn heute für einen Festtag?« fragte der eine.