Unter den rauschenden Bäumen kam ein Karlsschüler her, eine hochgewachsene Gestalt, die zweifellos über alle Genossen hinausragte; auf dem schlanken, langen Halse saß ein von dunkelrötlichem Haar umwallter Kopf und zeigte ein Gesicht von auffallend zarter Hautfarbe. Unter einer breiten, schönen Stirn sahen ein Paar helle Augen, die zwischen braun und blau schimmerten, klar und kühn in die Welt, und die scharf gebogene, spitze Nase, das etwas trotzig vorspringende Kinn gaben den Zügen etwas Energisches und Kühnes. Er kam ziemlich rasch auf die drei zu und rief mit merkwürdig hochklingender Stimme: »Wieder um eine halbe Stunde der freien Zeit gebracht!«

»Was hat's gegeben?« fragte Hoven.

»Ach, unser lieber Intendant, Herr von Seeger, teilt mir mit, daß heute abend Serenissimus mit der Gräfin Franziska im Institut speisen werden und dann ein kleines Divertissement erwarten, etwas Singsang und Deklamieren – und ich muß mit heran – du auch, Wilhelm!«

»Und was wird aus unserem Abend?« fragte Scharffenstein.

»Pst! Du hast ein lockeres Gehege der Zähne und wirst mit deinem vorlauten Munde uns allen schaden. Man wittert ohnehin schon in der Luft, und Nieß trägt seine Stumpfnase verdächtig hoch.«

»Ach, meinst du wegen Haug? – Der paßt für uns, sag' ich dir, Schiller, als wenn ihn unser Herrgott expreß für die Bande geschaffen hätte.«

Ein blitzender Blick aus Schillers Augen flog über denjenigen, von welchem eben die Rede war.

»Macht Er auch Verse, Haug?« fragte er.

»Und was für Verse – er ist der gebotene Satiriker, und das Element fehlt uns so, wie meiner Kehle jetzt ein guter Tropfen; der Hammel heute mittags war scharf gesalzen.«

»Deine schwache Seite, Scharffenstein!«