Besorgt sahen die Freunde ihn an und sahen in ein unnatürlich gerötetes Gesicht und flimmernde Augen. Am andern Morgen mußte er zu Bette bleiben, und der treue Streicher, welcher gekommen war, um sich von dem Mannheimer Aufenthalte berichten zu lassen, war erschrocken und entsetzt, als er ihn umarmte. Er fühlte selbst ein Frösteln und ein Unbehagen, doch setzte er sich an das Lager des kranken Freundes, der nun mit etwas matter Stimme, aber doch lebhaft erzählte, daß er im Grunde so gut wie nichts erreicht habe, und daß die auf Dalberg gesetzten Hoffnungen wohl trügerische seien.

Streicher tröstete und beruhigte: »Wenn er nur eine Stellung hat für dich, – aus Württemberg wollen wir schon fortkommen, dafür laß mich mit sorgen. Die Flucht bleibt dir noch immer, und bist du erst über die Grenze, so wird das weitere sich wohl finden. Den Kopf hoch, Freund!«

»Das kann ich heute nicht, Andreas!« sagte Schiller mit einem Anfluge von Scherz und lächelnd, »der Kopf ist mir zu schwer.«

Die beiden Freunde trennten sich; Streicher aber fühlte, da er auf die Straße kam, einen dumpfen Schmerz im Kopfe, ein Brennen in den Augen, und es war ihm kein Zweifel, daß er den Keim einer Erkrankung von dem Freunde mit fortgenommen hatte. Daheim mußte er auch sich zu Bette legen, und die Mutter geriet in nicht geringe Besorgnis um den einzigen Sohn. Dieser selbst aber lebte in seinen Gedanken bei Schiller und tat sich selbst immer wieder das Gelöbnis, ihn nicht zu verlassen und in der Stunde der Not ihm getreulich zur Seite zu stehen.

Nach etwa vierzehn Tagen hatten beide Freunde sich wieder erholt, und da sie zum erstenmal sich begegneten und umarmten, wiederholte Streicher sein Gelöbnis. Solche Treue aber tat Schiller ungemein wohl, und bald genug sollte er sie auch brauchen.


Auf der Flucht

Frau von Wolzogen wie Frau Vischer standen noch lange unter der Nachwirkung des Eindrucks der »Räuber«. Das Herz war ihnen voll davon, daß sie Zeugen des Triumphes des geliebten Dichters sein und in seiner Gegenwart sein Werk genießen konnten, und es ist begreiflich, daß ihnen auch der Mund davon überging. Zunächst erzählten sie von der Aufführung im engsten Bekanntenkreise, und erst als ihnen die Mitteilung entschlüpft war, daß sie mit Schiller zusammen in Mannheim gewesen, wurden sie der Gefahr sich bewußt, in welche sie mit ihrer Redseligkeit den Dichter bringen konnten, und versuchten, ihren Freunden Schweigen darüber aufzuerlegen.