Aber unter dem Siegel der Verschwiegenheit ging die Kunde doch still immer weiter, und so kam es, daß auch der General Auge davon erfuhr. Der alte Soldat aber hielt es für seine Pflicht, auch den Herzog davon zu verständigen, und berichtete peinlich genau mit allen Einzelheiten, die ihm selber zu Ohren gekommen waren. Karl Eugen geriet in Zorn; So hatte dieser Regimentsmedikus gewagt, seinem strengen Befehle zum Trotz ins Ausland zu gehen – das durfte nicht ungestraft bleiben!
Schiller vor dem Herzog Karl Eugen von Württemberg
Schiller erhielt sofort Ordre, vor ihm zu erscheinen. Er ahnte nichts Gutes bei der Kunde, um so mehr, als ihm zugleich die höchste Eile anbefohlen war, so daß er sich kaum Zeit nehmen konnte, sich in seine Paradeuniform zu werfen. So rasch als möglich begab er sich nach dem Schlosse Hohenheim und wurde sogleich nach dem Garten gewiesen, wo der Herzog ihn erwartet zu haben schien. Dieser schien zunächst freundlich und huldvoll, daß Schiller fast irre an ihm wurde; er schritt mit ihm in den schattigen Alleen hin, machte ihn auf besondere Schönheiten der Anlagen aufmerksam und redete von ganz gleichgültigen Dingen. Plötzlich blieb er stehen, richtete sich hoch auf und indem er seinen Begleiter durchdringend anschaute, sagte er: »Er ist in Mannheim gewesen! Ich weiß alles! Ich sage, Sein Oberster weiß darum.«
Schiller stand im ersten Augenblick verblüfft und fühlte, wie ihm das Blut aus den Wangen wich; dann nahm er eine stramme militärische Stellung ein und erwiderte: »Durchlaucht, ich bitte untertänigst um Verzeihung – ja, ich war in Mannheim, aber Oberst von Rau hat keine Schuld dabei; ich bin ohne Urlaub gegangen und hatte mich krank gemeldet.«
»Ihn soll doch gleich ein Blitz in den Boden wettern! Er ist ja ein ganz verlogenes Subjekt, ein ungehorsamer Windhund, mit dem ich Ernst machen muß. – Wie kommt Er denn dazu, meinem bestimmten Befehle sich zu widersetzen? – Meint Er, mein Wohlwollen für Ihn habe keine Grenzen?«
»Darauf habe ich allerdings gesündigt – halten zu Gnaden, Durchlaucht! Es war zu verlockend, in guter Gesellschaft noch einmal mein Stück sehen zu können, und da Serenissimus abwesend waren und ich nicht persönlich um die Gnade eines Urlaubs bitten konnte – –«