Mit Spannung erwartete er eine Antwort, als aber zwei Wochen verstrichen waren, wurde er mutlos und verzagt; er hatte die Empfindung, daß Dalberg ihn im Stiche lasse, vielleicht aus Furcht, unangenehme Verwickelungen mit dem Herzog herbeizuführen. Von einer Eingabe an den letzteren versprach er sich nicht viel, darum verzögerte er dieselbe von Tag zu Tag.

Längst war der Sommer gekommen, dem Dichter aber wollte seine Sonne nicht das bange Herz erwärmen; er schlich umher wie ein Träumer, mied die Gesellschaft der Freunde, war einsilbig, ja wohl auch verbittert, und sein Aussehen war so, daß man ihn wohl für leidend halten mochte. So war er eines Tages wieder hinausgekommen nach der Solitüde, um seine Familie zu besuchen; er traf bei derselben Frau von Wolzogen, und voll inniger Teilnahme fragte ihn dieselbe, ob er sich nicht wohlfühle. Auch die Mutter und seine Schwester Christophine, welche zugegen waren, während der Vater im Garten draußen seinen Geschäften nachging, taten voll Besorgnis die gleiche Frage, und nun ging ihm das Herz auf.

»Ja, es frißt mir etwas an der Seele, und ich kann's nicht verwinden. Das Verbot des Herzogs, nichts mehr zu dichten, und nicht mehr mit dem Auslande zu verkehren, ist mein Tod. Ich ertrag's nicht mehr.«

Er sank auf seinem Sitze zurück, Christophine aber eilte zu ihm und schlang ihm die Arme um den Hals. »Sei ruhig und mutig, Fritz, ich kann es dir nachfühlen und könnte Durchlaucht hassen um seiner Härte willen! Als ob der Genius sich in seine steife Uniform pressen ließe, gleichwie der Leib – –«

»Um Gottes willen, Kind!« mahnte besorgt die Mutter; aber Frau von Wolzogen unterbrach sie: »Christophine hat recht, – es ist eine Sünde, die an seinem Genius begangen wird, und wer's gut mit ihm meint, kann's nicht ruhig mit ansehen. – Schiller, erinnern Sie sich dessen, was ich Ihnen von Bauerbach gesagt hatte, – dort sind Sie willkommen und geborgen.«

Schiller hob den Kopf und sah die Freundin mit dankbaren Blicken an: »Sie meinen es gut, verehrte Frau, und ich will's nicht vergessen. Fürs erste aber steht mein Sinn nach Mannheim, denn ein zweites Werk, ›Die Verschwörung des Fiesko‹, geht seiner Vollendung entgegen. Auf Mannheim und seine Bühne steht mein Hoffen.«

»Aber wie soll es möglich sein, bei dem Verbote des Herzogs –« sagte wieder die besorgte Mutter.

»Er muß fliehen!« sprach die entschlossene Christophine mit leuchtenden Augen, und verwundert sahen die andern das Mädchen an, das mit glühenden Wangen und glänzenden Augen dastand; Schiller aber reichte ihr beide Hände hin, als wäre damit für ihn die Erlösung gekommen. Daß auch aus diesem Kreise dies Wort an ihn herantrat, war ihm ein Trost und eine Freude. Die Mutter aber war geradezu entsetzt bei dem Gedanken an Flucht.

»Unseliges Kind, bedenkst du auch die Folgen?« fragte sie.

»Die Folgen? Für wen? – Für Fritz ist die Folge die Freiheit, die sein Genius braucht, um seine Flügel entfalten zu können, – was soll es für andere Folgen haben?«