»Er wird es, – es ist der Stern der Freundschaft!« sagte mit einer gewissen Feierlichkeit Schiller, und dann hielt er Streicher einige Augenblicke innig und fest umschlungen.
Einige Tage später gingen die Freunde, begleitet von einer Dame, hinaus nach der Solitüde. Es war die Frau des Regisseurs Meyer vom Mannheimer Theater, die ebenso wie ihr Mann dem Dichter freundlich und wohlwollend gesinnt war. Sie war aus Stuttgart und hatte jetzt ihre Familie aufgesucht, um gleichfalls den geplanten großen Festlichkeiten beizuwohnen, und da sie Schillers Mutter kannte, ging sie mit nach der Solitüde.
Der Nachmittag war schön; ein blauer Himmel spannte sich weit über das Land, das im vollen Reize des Sommers vor den Blicken lag. Die Felder waren bereits kahl, aber die Wiesen grünten, die Bäume in den Gärten bogen sich unter der Last ihrer fruchtschweren Äste, und um die fernen Höhen lag ein goldiger Schimmer. Das Herz des Dichters war von einer stillen Wehmut erfüllt bei dem Gedanken, daß er alles das heute vielleicht zum letztenmal sehe; aber er bezwang sich und begann mit Frau Meyer ein Gespräch über die Theaterverhältnisse in Mannheim, und aus ihren Worten suchte er freundliche Hoffnungen für sich abzuleiten, ohne daß er seinen Plan preisgab.
Endlich sah man den stattlichen Schloßbau aus seinen herrlichen grünen Gartenanlagen herauswinken, und nicht lange danach war auch die Wohnung von Schillers Eltern erreicht. Auch diesmal war nur die Mutter und die älteste Tochter anwesend, und sie begrüßten die Besucher mit Herzlichkeit. In den Augen der Mutter aber lag ein feuchter Schimmer, so oft sie ihren Sohn anblickte; denn auch sie wußte ja, weshalb er gekommen war, und so sehr sie sich auch Mühe gab, sich zu beherrschen, das Gespräch kam doch manchmal beinahe peinlich ins Stocken. Streicher begrüßte es darum wie eine Erlösung, als Schillers Vater eintrat.
In seiner behäbigen und dabei doch lebhaften Art begrüßte er die Besucher und begann dann von den Vorbereitungen zu erzählen, die man auch hier für die fürstlichen Gäste traf.
»Solche Feste hat die Solitüde noch niemals gesehen und wird sie vielleicht nie wieder erleben«, sagte er. »Am 17. September werden die höchsten Herrschaften hierher kommen zur Hirschjagd. Eine Hirschjagd, wie es noch keine gegeben hat. In unserem Walde werden bei sechstausend Hirsche zusammengetrieben, die von einer dichten Treiberkette zusammengehalten werden, damit keiner durchbrechen kann. Dann werden sie die Anhöhe über dem See hinaufgejagt und gezwungen, sich von derselben in das Gewässer hinabzustürzen. Im Lusthause aber, das jenseit des Sees jetzt errichtet worden, werden die fürstlichen Jäger Platz nehmen und aus den Fenstern die Tiere niederschießen.«
Schiller hatte nur mit halbem Ohr hingehört; jetzt hob er aber doch den bisher gesenkten Kopf mit dem unmutig geröteten Gesicht und sagte halblaut: »Ein Vergnügen für Henker, – und Edleres weiß man den Gästen nicht zu bieten?«
Fast erschrocken sah ihn der Vater an: »Uns steht kein Urteil zu, wie wir auch keine Verantwortung dafür haben!«
»Gottlob, daß ich menschlich fühlen darf auch mit dem gehetzten Tier!« war die bittere Antwort, dann senkte sich wieder der schöne Kopf mit den rötlichen Haaren, der Vater aber fuhr fort: »Auch ein Schauspiel ist für den Abend in Aussicht genommen und eine großartige Illumination des Schlosses; das wird gewiß das prächtigste. Taghell soll die Nacht erleuchtet werden von tausend Lichtern und Feuerzeichen.« – –