Aber während sich der Vater in lebhaften Schilderungen erging, ruhte der Blick der Mutter unausgesetzt auf dem Sohne, und es wollte ihr beinahe das Herz abdrücken, daß sie nicht reden durfte von dem, was ihre Seele erfüllte. Leise erhob sie sich endlich und schlich hinaus; Schiller aber verstand sie und folgte ihr nach. In einem abgelegenen Nebengemache fanden sie sich zusammen, und schweigend hielt die Frau ihren einzigen Sohn an ihrem Herzen, während ihr die Tränen über die Wangen strömten und seine Hand liebkosend über ihren Scheitel strich.
»Muß es denn wirklich sein, Fritz? – Ist das der letzte Abschied?«
»Es muß sein! Sei ruhig und stark, Mutter, ich fühle in mir eine wunderbare Kraft und das Bewußtsein, daß es der richtige Weg ist, den ich gehe.«
»Ach, ich fürchte, daß deine Hoffnungen sich nicht erfüllen, und dann hast du die Gunst unseres Herzogs verscherzt und dort nichts gewonnen, – was dann?«
»Dann kann ich immer noch eine Tätigkeit als Arzt beginnen. Wenn ich nur über die ersten Anfänge hinauskomme.«
»Ach, und ich vermag dir so gut wie gar nichts mitzugeben, du weißt ja, von des Vaters Gehalt ist nur knapp auszukommen –, ich hab' ja nicht einmal das Reisegeld völlig für dich beisammen, obwohl auch Christophine mit daran gespart hat; wir haben nicht vermeint, daß es so schnell kommen würde.«
»Wenn irgendeine Gelegenheit günstig ist, so ist es diese bei den Festlichkeiten. In der Nacht, in welcher die Solitüde im Feierglanze strahlen wird, soll's geschehen. Denk' an mich, Mutter!«
»O immer, immer! Gott segne dich, mein Sohn, und gebe deinem Hoffen das Gelingen!«
Noch einige Zeit sprachen die beiden von der Zukunft, die Mutter trübe und mit Bangen, der Sohn mit freundlicher Tröstung, dann hielten sie noch einmal sich umschlungen, küßten sich heiß und innig und kehrten zu den anderen zurück. Die Mutter hielt die Hand des Sohnes fest, bis sie in das Gesellschaftszimmer eintraten. Christophine sowie Streicher sahen sie beide an; sie verstanden, was die feuchten, geröteten Augen beider, was das bleiche Gesicht der Frau und die zuckenden Lippen des Sohnes erzählten. Streicher drängte zur Heimkehr; er wußte, daß er damit dem Freunde einen Gefallen tue.