Und nun las er mit seinem schwäbischen Pathos die gewaltige Dichtung »Die Fürstengruft«, und verwundert blickte Streicher zu dem Freunde auf, den die Poesie alles vergessen ließ, was ihn bedrängte, und der in der Enge einer elenden Wirtsstube sich in diesen Augenblicken hinausgehoben fühlte in eine andere Welt.

Am anderen Tage morgens acht Uhr passierten die Reisenden die blauweißen Grenzpfähle von Kurpfalz, und nun erst war ihnen, als sei alles gewonnen. An diesem Tage wurde in Schwetzingen übernachtet, und endlich am Morgen des 19. September rollte der Wagen ohne jeden Anstand durch das Tor von Mannheim.


Durch Not und Drang zum Asyl

Es war einige Tage später. Im Hause des Regisseurs Meyer hatte sich eine Unzahl Schauspieler zusammengefunden, und Schiller wollte ihnen seinen »Fiesko« vorlesen. Bis jetzt war der Dichter noch voll Mut und Vertrauen. Meyer hatte ihn freundlich aufgenommen, ihm und Streicher eine bescheidene, aber saubere Wohnung besorgt, und wenn auch Frau Meyer bei ihrer Rückkehr aus Stuttgart mancherlei zu berichten wußte von den Gerüchten, die dort wegen Schillers Flucht und einer Verfolgung seitens des Herzogs umgingen, der Dichter glaubte Karl Eugen besser zu kennen und hatte sogar den Mut gehabt, an denselben zu schreiben, um unter günstigen Bedingungen von ihm die Erlaubnis zur Heimkehr zu erbitten.

Es war etwa vier Uhr nachmittags. Um den runden, freundlich gedeckten Tisch, der mit einigen Erfrischungen besetzt war, saßen neben Schiller und Streicher Meyer und seine Frau, Boek, Iffland, Beil, Frank und einige andere der bekanntesten Mannheimer Künstler und sahen mit großen Erwartungen dem neuen Werke des Dichters der »Räuber« entgegen.