Schiller wurde unmutig und suchte den Mann zu beruhigen mit dem Hinweis, daß er bei Heller und Pfennig bezahlt werden würde. Schweigend stieg er mit dem Freunde die Treppe hinan nach ihrem unfreundlichen, kalten Zimmer, und dort sank er verstimmt und kleinmütig auf einem Stuhle nieder.
»Andreas, wie ist's? Kannst du noch aushelfen?« fragte er Streicher. Der aber sah ihn traurig an und erwiderte: »Ich habe nichts mehr und kann auch nicht daran denken, jetzt von meiner Mutter etwas zu erbitten; denn sie könnte mir nichts geben, und das Herz mag ich ihr nicht schwer machen.«
»Oh, du guter, lieber Freund! Und alles hast du mir und meinetwillen geopfert! Wie kann ich dir jemals genug danken? – Und was soll ich tun, um unserer Not abzuhelfen?«
Plötzlich, während Streicher den Aufgeregten zu beruhigen bemüht war, zog er seine silberne Uhr aus der Tasche: »Hier! – Was brauche ich sie! – Mich drängen ja nicht die Stunden, und was brauche ich zu sehen, wie träge oder wie schnell die Zeit geht? Das fühle ich ohnedies – hier, Andreas, tu' mir die Liebe und verkaufe das Ding!«
»Für dich will ich's tun, für mich nicht –; aber ein anderes will ich dir vorschlagen: Laß uns auseinandergehen! Ich kann dir jetzt nichts mehr sein, dir nicht helfen und zehre nur deine kargen Mittel mit dir auf. Bleibe du in Oggersheim, bis Frau von Wolzogen dir geantwortet hat; ich aber will nach Mannheim ziehen und hoffe, durch Musikunterricht meinen Lebensunterhalt zu gewinnen.«
Schiller fühlte, wie ihm die Tränen in die Augen traten. »Andreas, wenn ich das jemals vergesse! – Du hast mir deine Zukunft geopfert; statt nach Hamburg zu Bach bist du mit mir in die Verbannung gezogen, – statt dem Ruhme nachzustreben, hast du Entbehrungen auf dich genommen.«
»Aber für dich und mit dir! Das wiegt alles auf. Sprich nicht weiter davon; mir war es ein Glück, dich begleiten zu dürfen, und es wäre mir noch ein größeres Glück gewesen, dich hier schon dein hohes Ziel erreichen zu sehen. Aber du wirst es erreichen, und dann wird auch mein bescheidener Name nicht ganz vergessen sein.«
Innig drückte Schiller des Freundes Hand, und am nächsten Tage zog dieser hinein nach der Stadt. Dem einsamen Dichter aber gingen die Tage noch langsamer und träger, und beinahe jeden Abend zog es ihn hinein nach Mannheim, um Streicher wenigstens zu sehen. Als er – es war gegen Ende November und die Flocken wirbelten um ihn – den Regisseur Meyer wieder aufsuchte, empfing ihn dieser mit seltsamem, trübem Ernste.
»Schiller, lieber Freund, ich habe keine gute Nachricht für Sie!«
»Was ist's? – Von Herrn von Dalberg?«