Das Mahl war rasch beendet, und nachdem wieder jede Bewegung auf Kommando sich vollzogen hatte, marschierten alle nach dem Rangiersaal, um dort das fürstliche Paar zu dem angesagten Divertissement zu erwarten.

Der Herzog ließ auch nicht lange auf sich warten. Er ließ sich mit der Gräfin auf bereitstehenden Polstersitzen nieder, und gleich darauf begann eine musikalische Aufführung seitens der Zöglinge, welche Zeugnis dafür ablegte, daß sich unter ihnen nicht bloß gute musikalische Talente befanden, sondern daß dieser Kunst in den Mauern der Karlsschule auch ein gewisses Recht eingeräumt war.

Karl Eugen war trotz des Zwischenfalls – oder vielleicht infolge desselben – in besonders guter Laune und sparte nicht mit seinem Lobe. Nun aber wünschte er, daß einer der Eleven etwas von seinen eigenen Geistesschöpfungen vortrage, und er nannte dabei ausdrücklich Schiller.

Dieser trat vor, verneigte sich einigermaßen steif vor dem Herzog und seiner Gemahlin und begann darauf mit etwas singendem Pathos:

Der Flüchtling.

Frisch atmet des Morgens lebendiger Hauch,
Pupurisch zuckt durch düst'rer Tannen Ritzen
Das junge Licht und äugelt aus dem Strauch;
In gold'nen Flammen blitzen
Der Berge Wolkenspitzen.
Mit freudig melodisch gewirbeltem Lied
Begrüßen erwachende Lerchen die Sonne,
Die schon in lachender Wonne
Jugendlich schön in Auroras Umarmungen glüht.

Sei, Licht, mir gesegnet!
Dein Strahlenguß regnet
Erwärmend hernieder auf Anger und Au.
Wie silberfalb flittern
Die Wiesen, wie zittern
Tausend Sonnen in perlendem Tau!

In säuselnder Kühle
Beginnen die Spiele
Der jungen Natur.
Die Zephyre kosen
Und schmeicheln um Rosen,
Und Düfte beströmen die lachende Flur.

Wie hoch aus den Städten die Rauchwolken dampfen!
Laut wiehern und schnauben und knirschen und stampfen
Die Rosse, die Farren;
Die Wagen erknarren
Ins ächzende Tal.
Die Waldungen leben,
Und Adler und Falken und Habichte schweben
Und wiegen die Flügel im blendenden Strahl.

Den Frieden zu finden,
Wohin soll ich wenden
Um elenden Stab?
Die lachende Erde
Mit Jünglingsgebärde
Für mich nur ein Grab!