Steig' empor, o Morgenrot, und röte
Mit purpurnem Kusse Hain und Feld!
Säus'le nieder, Abendrot, und flöte
Sanft in Schlummer die erstorb'ne Welt!
Morgen – ach! du rötest
Eine Totenflur;
Ach, und du, o Abendrot, umflötest
Meinen langen Schlummer nur.

Als Schiller geendet hatte, winkte ihn der Herzog zu sich heran. »Er hat eine lebhafte Phantasie und versteht die Natur schön zu malen. Wie kommt Er aber dazu, das gerade einem Flüchtling in den Mund zu legen?«

»Ich habe mich selbst in die Lage hineingedacht, Durchlaucht!«

»Das ist eine wunderliche Idee; hat Er Neigung, ein Durchbrenner zu werden?«

»Halten zu Gnaden, Durchlaucht – nein, weil es undankbar wäre gegen Höchstdero väterliche Huld.«

»Recht, wenn Er das einsieht, Schiller; ja, ich mein' es gut mit meinen Söhnen von der Karlsschule, wenn ich sie auch manchmal scharf anfasse.«

Er nickte gnädig; auch die Gräfin sprach ein freundliches Wort der Anerkennung, das eine warme Röte über Schillers bleiches Gesicht huschen ließ; dann trat dieser mit ehrerbietiger Neigung zurück, und die Aufführung nahm ihren Fortgang.

Beim Schlag der zehnten Stunde erhob sich der Herzog, langsam ging er durch die in einer Doppelreihe aufgestellten Eleven, und wie er bei dem jungen Grafen von Nassau vorüberkam, drohte er diesem mit dem Finger.

»Ein zweites Mal kommt Er so nicht davon!« sagte er mit einem Anflug von Gutmütigkeit.