»Ich komme auch nicht für mich, und ich würde es selbst ertragen, wenn mir mein Häuschen verkauft würde, aber Marie –.«

»Sie hat freiwillig sich an Sie gebunden, sie muß Ihr Los teilen!«

In Freidanks Herzen regte sich Unmut und Bitterkeit. Aber, ob ihm auch die Röte in die Wangen stieg ob der lieblosen Aeußerung, er bezwang sich doch und sagte ruhig:

»Dazu ist sie auch bereit, aber ich meinte nur, wenn ihr Böses erspart werden könnte – gerade jetzt … sie ist in gesegneten Umständen – und jede Erregung, jede Sorge …«

Frohwalt fühlte ein Unbehagen, eine Regung der Liebe rang in seiner Seele mit dem Zorn und dem Glaubenseifer, und der letztere blieb Sieger; er sprach:

»Ich habe Marie gebeten und beschworen, nicht Ihnen zu folgen und ihren Glauben zu verleugnen; ich habe ihr erklärt, daß, wenn sie es thue, keine Gemeinschaft mehr sei zwischen ihr und mir, und daß des Himmels Gerichte sie ereilen würden. Nun kommt, was ich vorausgesehen. Empfinden Sie nicht in all dem, was über Sie hereinbricht, die strafende Hand des Herrn? Und ich sollte ihm in den Arm fallen wollen, wenn er diejenigen züchtigen will, die ihn verlassen und verraten haben?«

Der Uhrmacher hatte sich hoch aufgerichtet; das sonst so ruhige Auge flammte, und die Wangen waren ihm heiß, als er mit bebenden Lippen sprach:

»Verzeih' Ihnen Gott, was Sie hier reden! Das ist Herzenshärte und Hochmut, hinter der sich Ihre Lieblosigkeit verschanzt. Ich hab' einmal einen fremden Hund mit Lebensgefahr aus dem Wasser geholt – bin ich da etwa auch dem Herrn in den Arm gefallen? – und Sie wollen Ihre einzige Schwester und deren Kind in Not und Elend treiben. Ich beneide Sie nicht um die Rolle, die Sie in diesem Augenblick spielen. Leben Sie wohl, Marie und ich, wir werden tragen, was uns der Himmel schickt, stark durch unsere Liebe, aber Ihnen wird ein Stachel bleiben von dieser Stunde, den Sie durch tausend Vaterunser nicht wegbringen!«

Mit raschen Schritten, ehe Frohwalt noch erwidern konnte, war Freidank hinausgegangen; er eilte durch die dunklen, dumpfigen Korridore, bis die Pforte sich wieder hinter ihm geschlossen hatte. Der Regen rauschte nieder, aber eine erquickende Kühle wehte den Mann an, der sie mit tiefen, gierigen Zügen einsog, und dann, unbekümmert um die dicht fallenden Tropfen durch die Gassen der böhmischen Hauptstadt gegen den Bahnhof hin schritt.