»Wir sind fertig miteinander – dort ist die Türe!« sprach der alte Priester zu dem jungen verkommenen Menschen. (Seite 172).
Der Angesprochene aber blieb stehen, und der böse Zug um den Mund und in den Augen schien sich zu verschärfen. Er sagte jetzt in deutscher Sprache:
»Nein, wir sind nicht fertig. Es ist wohl nicht so einfach, wenn man einen Bastard in die Welt gesetzt hat, zu sagen: Du gehst mich nichts an, wir sind fertig. Ich erwarte bis morgen mittag unter meiner Adresse das Geld, oder ich gehe an das Konsistorium!«
»Geh zum Teufel oder wohin Du willst!« schrie jetzt der alte Herr und erfaßte mit plötzlich erwachender Kraft den Burschen, schob ihn gegen die Thüre, riß dieselbe auf und gab ihm einen Stoß, daß er hinausflog. Während man ihn draußen ziemlich laut in tschechischer Sprache schimpfen hörte, sank der alte Mann in die Ecke seines wurmstichigen Sophas und fing laut und heftig an zu schluchzen. Frohwalt war tief erschüttert; er zog seinen Stuhl dicht zu ihm heran, legte ihm die Hand auf den Arm und sagte:
»Beruhigen Sie sich, Herr Pfarrer! – – Was bedeutet das um Gottes willen?«
Der andere bemühte sich zu beherrschen; er nahm, wie um der Erregung beizukommen, einen langen Schluck aus seinem Kruge, wischte mit dem Handrücken sich die Thränen aus dem Gesichte und rief:
»Brauchen Sie noch eine Erklärung, nachdem Sie gehört haben, was der Lump sprach?«
Während er, zu seinem Gast gewendet, redete, roch sein Atem unangenehm wie nach Spirituosen, so daß sich Frohwalt halb abwendete; jener aber, halb schreiend, halb weinend fuhr fort:
»Der Bursche ist mein Sohn, mein und Barbaras Kind – was brauche ich's Ihnen zu verhehlen! Die Frucht der Sünde, und womit ich gefehlt habe, damit werde ich bestraft. Ich habe ihn ein Handwerk lernen lassen, aber er hat nirgends gut gethan, und ein Meister nach dem andern hat ihn fortgejagt. Er wird im Zuchthause sterben. Was habe ich nicht alles für ihn gethan und geopfert, Geld und Ehre – und alles umsonst!«
Er schlug die Hände vor das Gesicht und sank tiefer zusammen in seiner Ecke. Frohwalt aber fühlte sich von Widerwillen und Mitleid zugleich erfaßt. Er hatte den Eindruck, als hätte der alte Mann auch etwas zu viel getrunken, und darum sprach er, vielleicht etwas herber im Tone, als er selbst es beabsichtigt: