»Was war's denn mit dem Papste Vigilius?« fragte Stahl; »man muß, wenn man wohlfeil dazukommen kann, sein Wissen auch in solchen Fragen zu bereichern suchen.«

»Er war der Nachfolger des heiligen Silverius – –«

»Halt einmal, hier weiß ich – glaube ich – auch etwas!« rief Stahl; – »war der heilige Silverius nicht der leibliche Sohn seines Vorgängers auf dem Stuhle Petri, des heiligen Hormisdas?«

»Jawohl. Silverius wurde auf unerwiesene Anklagen des Priesters Vigilius hin abgesetzt und in eine öde Gegend verbannt, wo er nahezu vor Hunger starb; sein Verleumder aber wurde sein Nachfolger. Er ließ sich unglücklicher Weise später in theologische Streitigkeiten ein, wobei er die Unfehlbarkeit sehr wohl hätte brauchen können, aber er hatte sie zweifellos nicht. Denn als er gezwungen wurde, sich nochmals vor einem Konzil zu verantworten, das in Konstantinopel stattfand, erklärte er selbst, er habe geirrt und sei ein Werkzeug des Teufels gewesen.«

»Na, Kinder, das genügt mir, und nun habe ich wegen der Unfehlbarkeit keine weiteren Bedenken; Eure theologische Gelehrsamkeit aber wird mir ungelehrtem Menschenkinde unheimlich, ich gehe!«

Hans Stahl erhob sich, legte seine Zigarre beiseite, und nach einigen Scherzworten und einer Einladung, ihn in seinem »Atelier« zu besuchen, ging er davon.

Die Frage wegen des Konzils und der Unfehlbarkeit des Papstes war eine brennende geworden, und die Gemüter maßgebender Kreise waren davon noch viel mehr erregt, als die der Alumnen. Der Kardinal Schwarzenberg hatte wiederholt mit seinen Theologen Rücksprache gepflogen, und es war ihm zu fester Ueberzeugung geworden, daß man den Versuch, den neuen Glaubenssatz aufzustellen, mit allen Mitteln bekämpfen müsse, und dazu war er auch ernstlich entschlossen. Fürs Erste hielt er Umschau nach gelehrten Helfern, die ihn nach der ewigen Stadt begleiten sollten, und die vielseitigen rühmenden Empfehlungen, welche er über Peter Frohwalt gehört, richteten seine Aufmerksamkeit auch auf diesen, und so kam es, daß der junge Doktor der Theologie und Adjunkt an der theologischen Fakultät eines Morgens durch einen fürsterzbischöflichen Diener zu seiner Eminenz befohlen wurde.

Einigermaßen aufgeregt folgte er der Aufforderung und fuhr nach dem Hradschin. Der Kirchenfürst empfing ihn diesmal noch leutseliger als das erste Mal und bot ihm einen Sitz an. Sein Auge lag einige Sekunden mit forschender Ruhe auf dem Antlitz des jungen Priesters, und die geistvolle Frische, die aus demselben redete, der klare Blick des blauen Auges, das sich vor dem seinen keine Sekunde senkte, gefiel ihm; ziemlich unvermittelt fragte er:

»Haben Sie sich bereits ein Urteil gebildet in der schwebenden Frage der päpstlichen Unfehlbarkeit?«