»Guten Tag, Herr Stahl, was führt Sie hierher?«
Der Angeredete schrak beinahe zusammen, blickte auf, und sah vor sich einen jungen Kapuziner stehen:
»Pater Severin! Sind Sie nicht mehr in Prag?«
Die Hände lagen fest in einander, und Hans Stahl schüttelte wie mit einem Ruck alles ab, was ihn quälte und bedrängte; er war wieder der Alte, der das Leben mit Humor und Drang nach frischem Genusse erfaßt.
»Das ist ja wunderhübsch daß ich Ihnen auf dieser Scholle begegne, in diesem kleinen, lieblichen Neste. Ich suche nämlich Menschen, und Sie sind wirklich der zweite, welchen ich hier finde. Dafür werden Sie mich auch heute nicht mehr los. Haben Sie Ihren Nachmittag frei?«
»Ich muß allerdings in einer unaufschiebbaren Sache nach Oberdorf zu meinen Eltern, aber wenn Sie mich dahin begleiten wollen, soll's mich freuen; es ist ein Weg von etwa fünfviertel Stunden.«
»Wenn ich Ihnen nicht lästig bin – –«
»Gott bewahre –«
»Abgemacht! Ich gehe jetzt, um für meinen Leib eine Atzung zu suchen, und bin nach Tische bei Ihnen – mich gelüstet's, wieder einmal einige Minuten in einer Mönchszelle zu sitzen.«
So gingen sie für's Erste auseinander, aber nachmittags stellte sich Hans Stahl pünktlich in dem Klösterchen ein. Er fand Severin im Garten zwischen blühenden Georginen und Astern hinschweifend, aber dieser führte ihn sogleich nach seinem kleinen, aber freundlichen Gelaß. Stahl setzte sich auf den Stuhl beim Fenster und ließ seinen Blick die kühlen, weißgetünchten Wände entlang schweifen; dann sprach er: