Das erzählte Sisto, und der Prälat hatte mit unverkennbarem Wohlwollen die schlichten Mitteilungen angehört, und war während derselben mit seinem jungen Begleiter auf eine breite, belebte Straße gekommen. Vor einem großen Gebäude stand er still und sagte:
»Hier sind wir zu Hause, komm!«
Der Knabe starrte ihn verwundert mit seinen großen Augen an, dann folgte er ihm nach wie ein Hund. Ueber teppichbelegte Treppen, zwischen Marmorsäulen stiegen sie empor nach der Beletage, wo ein galonnierter Diener respektvoll den Bischof grüßte und mit Befremden den Betteljungen ansah, der hinter ihm dreinschritt. Durch einige prachtvoll eingerichtete Gemächer mit Bildsäulen und Gemälden waren sie gegangen, in welchen der barfüßige Bursche aus der Campagna mit großen, staunenden Augen flüchtige Umschau hielt, als ihnen aus einem Seitengemache eine Dame in dunklem Seidengewande entgegentrat und befremdet nach dem Begleiter des Prälaten schaute. Sie mochte ungefähr vierzig Jahre alt sein, und war stolz und schön.
»Signora Lucia, der Bursche hat Hunger und sucht Arbeit! Haben Sie die Güte, sich seiner anzunehmen und ihm für heute zunächst ein Obdach zu schaffen, morgen wollen wir sehen, was wir weiter mit ihm anfangen,« sprach Parelli.
Um den schönen Mund der Dame zuckte es einigermaßen spöttisch, da sie erwiderte:
»Da hat wohl Ihr gutes Herz wieder zu laut geredet. Nun, ich will den Burschen Giovanni übergeben, daß er vor allem ihn sich reinigen läßt – –«
»Nein, nein – vor allem muß er zu essen bekommen, er hungert heute den ganzen Tag!«
»Das hat er Ihnen wohl gesagt?«
Aus den Augen des Knaben blitzte es beinahe zornig.
»Ich lüge nicht!« sagte er beinahe heftig, und dann duckte er wie erschrocken vor dem Worte zusammen und sprach bittend zu dem Prälaten gewendet: »Verzeihung, Monsignore!«