Dieser hatte die Glocke gezogen, und als der Diener fast unmittelbar darnach eintrat, übergab er ihm den Knaben und band ihm auf die Seele, in bester Weise für Nahrung und Obdach zu sorgen. Da küßte ihm der braune Junge die Hand, sah ihn noch einmal an mit einem unbeschreiblich tiefen Blick des Dankes, und dann folgte er dem Diener.
»Ich hoffe, daß der Bursche mit seinem frechen Wesen sich nicht etwa hier einnistet,« sagte nun die Dame, und Parelli, der einigermaßen verlegen schien, sprach freundlich, indem er begütigend seinen Arm leicht um ihre Taille legte:
»Aber, teure Lucia, wenn der Junge Unterstützung braucht und ihrer wert ist … Ich denke, daß ihn der Himmel mir in den Weg geführt hat. Lassen wir ihn erst einmal einige Tage hier, und sehen wir zu, wie er sich anstellt – Du hast doch sonst ein so gutes Herz!«
Sie lächelte seltsam und schwieg; dann schritten sie gemeinsam nach dem Speisezimmer, wo bereits der Tisch gedeckt war und wo sie zusammen Platz nahmen an demselben. Die Dame war ja – und die Diener wußten es nicht anders – eine ziemlich nahe Verwandte des Prälaten und hatte das Recht, an seinem Tische zu sitzen und in seinem Hause zu repräsentieren.
Am andern Morgen dachte Parelli sogleich seines Schützlings und erkundigte sich nach demselben. Sisto hatte im Fluge sich bereits die Gunst der Dienerschaft gewonnen durch freiwillige und geschickte Hilfeleistungen und durch sein ganzes munteres Wesen. Giovanni, der Kammerdiener, hatte ihm einen besseren Anzug verschafft, und als er so, mit sauberem Hemd unter der blauen Tuchjacke, mit bunten Strümpfen und Schuhen vor den Prälaten hintrat, war dieser erstaunt über den bildhübschen Burschen, der ihm ehrfurchtsvoll und dankbar die Hand küßte, und er fragte ihn:
»Willst Du bei mir bleiben, Sisto?«
In den prächtigen Augen des jungen Campagnolen leuchtete es auf in glücklichem Glanze:
»Oh, gnädigster Herr – Euch gehört mein Leben!« stammelte er. »Braucht mich, zu was Ihr wollt; was ich nicht kann, werde ich lernen, ich will ja nur arbeiten, und möcht' es am liebsten für Euch!«
»Nun gut, so magst du zuerst dem Gärtner helfen, und wenn es Besorgungen giebt, sollst Du mein Läufer sein!«
Der Knabe nickte wortlos und aus seinen Augen stahlen sich einige Thränen, welche auf die Hand des Prälaten niederfielen, als er sie abermals küßte.