Der fremde Pfarrer aber mit dem vollgeröteten Gesichte sprach ernst:

»Ich habe hier die Meinung des Pater Ignaz – es nützt solches Gedenken nicht der ketzerischen Seele und ist eine Entweihung des heiligen Meßopfers. Wie kann man jenen die Gnadenmittel der Kirche zuwenden wollen, welche in böswilliger Verstocktheit dem alleinseligmachenden Glauben fernbleiben?«

Der Kaplan nickte zustimmend und seine Augen blitzten unheimlich scharf, als er sagte:

»Es geht auch gegen kirchliche Lehre und Ueberlieferung.«

Der Stadtpfarrer sah mit seinem gutmütigen Gesichte ängstlich drein, aber der Guardian strich mit seinen weißen Fingern sich langsam durch seinen wallenden Bart, schaute den jungen Priester ruhig und groß an und erwiderte:

»Der Herr verkehrte mit dem Samariterweibe und mit den Pharisäern, und steht nirgends zu lesen, daß er verboten hat, für eines andern Seele zu beten. Fanatismus ist zu allen Zeiten zu nichts nütze gewesen, und die Nächstenliebe, welche Christus mit in das oberste Gesetz für die Menschen stellt, gilt auch für Andersgläubige; darum hat der Herr die Geschichte erzählt vom barmherzigen Samariter.«

Nun mischten sich andere in das Gespräch und es war ziemlich laut in dem Speisesaale der alten Pfarrei, denn die Gemüter erhitzten sich an Wort und Wein, und es war zuletzt gut, daß die fremden Gäste aufbrechen mußten.

Während dem war Peter Frohwalt, nachdem er daheim seinen Priestertalar abgelegt, und einen langen schwarzen Tuchrock angezogen hatte, allein hinausgegangen in den schönen Sommerabend. Er hatte einen einsamen Feldweg eingeschlagen, der ihn auf einen Hügel führte, und von da sah er herab auf die friedliche kleine Stadt im Thale mit ihren weißen Häusern zwischen den grünen Gärten, und der tiefe Sonntagsfriede, welcher über dem ganzen Bilde lag, stimmte auch ihn ruhig und friedlich, so daß er, da ihm das verstorbene Weib des Uhrmachers in den Sinn kam, ein stilles Vaterunser betete. Er war in strengen kirchlichen Anschauungen erzogen, aber sein Herz war warm geblieben, und dem Zwange des Herzens war er in diesem Augenblick gefolgt.

Zur selben Zeit aber befand sich seine Schwester in der Wohnung des Uhrmachers Freidank. Sie lag in der Webergasse im Erdgeschosse eines kleinen Hauses. Sonst war in den beiden Zimmern, von welchen das vordere zugleich als Werkstatt diente, alles sauber und in schönster Ordnung, aber die liebe ordnende Hand hatte in der letzten Zeit gefehlt, und heute war sie kalt und starr geworden für immer.

Als Marie eintrat, war ihr Freidank, ein hübscher junger Mann mit dunklem Vollbart, entgegengekommen und hatte ihr die Hand gereicht. Die Thränen liefen ihm über die Wangen, als er mit gepreßter Stimme sagte: