»Sie wissen's wohl schon – – o, es ist hart, es ist bitter!«

Auch das Mädchen konnte die Thränen nicht zurückhalten.

»Ich möchte sie sehen!« sprach sie leise, und der Mann führte sie schweigend in das geräumige Nebengemach. Die abendliche Sonne spielte zwischen grünem Laubwerk freundlich herein, und ein leiser Schimmer wob sich um das friedliche, schöne Antlitz des jungen toten Weibes, das, mit einer leichten Decke verhüllt, wie schlafend in seinem Bette ruhte. An dem Lager aber stand, hochaufgerichtet auf den Fußspitzen, ein kleines, zweijähriges Mädchen, blond wie die Tote, und haschte mit seinen Händchen nach der kalten, erstarrten Hand, und zupfte an der Decke, und sagte immer wieder halblaut: »Mutterchen, Mutterchen!«

… tief erschüttert traten sie an das Lager des jungen toten Weibes …

Da schluchzte der Mann laut auf, Marie aber hob das Kind auf ihren Arm, zog es an sich und sprach:

»Mutterchen schläft!«

Dann sah sie tiefergriffen auf die Leiche der Freundin und hierauf nach dem beinahe fassungslosen Manne.

»Es ist wirklich, als ob sie schliefe – so ruhig, so schön! Gott tröste Sie, Herr Freidank … er wird wissen, warum er Ihnen diese Prüfung auferlegt. Bleiben Sie standhaft um Ihres kleinen Grethchens willen und glauben Sie nur – alle im Städtchen nehmen an Ihnen den herzlichsten Anteil.«

Der Uhrmacher wischte sich mit dem Taschentuche die Thränen ab und sagte: