Er hatte sie auf seinen Schoß gezogen und hielt sie mit dem linken Arm umschlungen, und sie lehnte sich leicht an ihn, indes er plauderte:

»Ist Dir's denn nicht wie ein Traum, Fritzel – er pflegte Friederike so abzukürzen – daß wir hier in Rom beisammen sitzen und während der Herbst daheim alles entblättert und in graue Nebelschleier hüllt, hinaussehen nach einem tiefblauen Himmel und eine Fülle grünender Gärten in der Nähe haben? Das ist ja heute ein köstlicher Tag und herrliches Wetter und geeignetere Stimmung, Dich mit Deinem blühenden Leben zwischen den Ruinen des alten Rom herumzugeleiten, kann es nicht geben. Ist Dir's recht, wenn wir heute gleich dem Forum und was drum und dran hängt, unsern Besuch machen?«

»Ich lasse mich von Dir führen, und wo Du bei mir bist, ist's hübsch; aber Du darfst Deinem dummen Weibchen nicht übelnehmen, wenn es ab und zu einmal eine ungeschickte Frage thut und auf die gütige Nachsicht seines Führers sündigt!«

»Gott bewahre, Schätzchen; frage nur nicht mehr, als ich beantworten kann. Also mache Dich fertig, das Heute gehört den alten Göttern und den Cäsaren, und morgen fangen wir an, das Atelier einzurichten.«

Er küßte sie auf die braunen, lieben Augen und schob sie sanft von sich, und schon kurze Zeit später schritt das Pärchen, Arm in Arm, quer über den Corso, durch dessen glänzende Häuserreihen die junge Frau erstaunt die Augen gleiten ließ, und durch die Via de Muratte, bis sie vor der herrlichen Fontana di Trevi stehen blieben.

Erstaunt, mit glänzenden Augen schaute Friederike zu dem gewaltigen marmornen Meergott auf, der auf seinem von Seepferden gezogenen Muschelwagen thront, während unter seinem von Tritonen geführten Gespann die Wasserfluten spielend hervorbrechen zwischen Klippen und Blöcken, und sich in das weite Becken ergießen, aus dessen ruhigem Spiegel das Bild des blauen Himmels schaut.

»Das ist der Quell, aus dem man nicht trinken darf, wenn nicht seine Wassernymphe uns mit allgewaltiger Sehnsucht hieher zurücklocken soll, Fritzel.«

Die junge Frau lehnte sich inniger auf den Arm des Gatten.

»Du hast wohl daraus getrunken, Heinrich?«

»Gott bewahre, und wenn auch, mich lockt keine Wassernymphe, seitdem ich Dich kenne.«