Am andern Vormittage stellte sich Beppo mit seinem Aeffchen pünktlich ein, während Sisto auf sich warten ließ. Endlich kam er, aber nicht allein, sondern der Prälat begleitete ihn. Quandt war erstaunt und erfreut über den Besuch und nahm Gelegenheit, auch seine Frau vorzustellen. Parelli mit seinen liebenswürdigen, gewandten Manieren wußte rasch die anfängliche Befangenheit Friederikens zu verscheuchen, erzählte, wie er vor Jahren bereits den jungen deutschen Maler kennen und schätzen gelernt habe und auch ein gutes Bild von ihm besitze. Er freue sich, die alte Bekanntschaft erneuern, beziehentlich erweitern zu dürfen und erklärte es als selbstverständlich, daß er das neue Gemälde, die beiden Knaben, zu erwerben wünsche. Damit Quandt seine Modelle gesichert habe, wollte er Beppo überdies, so lange der Maler seiner bedurfte, Aufnahme bei sich gewähren, eine Mitteilung, die auch den beiden jungen Landsleuten große Freude bereitete.

So war alles in schöner Ordnung. Der Maler begann sein Bild mit Lust und Behagen, doch gönnte er sich dabei auch jene Muße, die er für sein Frauchen brauchte, damit sich dasselbe nicht langweile, und Beppo zumal war mit dem langsamen Fortschritt der Malerei sehr einverstanden, weil er während desselben so gute Tage hatte, wie niemals zuvor. Im Hause des Prälaten ging es ihm vortrefflich, und auch Piccolo konnte sich nicht beklagen, da er mit seinem lustigen Wesen bald der Liebling der Diener geworden war. Sie trieben im Hofe des Palais manche Kurzweil mit ihm, bis eines Tages Frau Lucia darauf aufmerksam wurde, und jetzt überhaupt erst erfuhr, daß noch ein zweiter kleiner Campagnole das Asylrecht des Hauses erhalten hatte.

Sie machte auch diesmal dem Prälaten Vorwürfe, aber der entgegnete lächelnd:

»Nur auf einige Tage, Lucia – und er stört Dich ja nicht, der arme Teufel!«

Sie murmelte einige unwirsche Worte und damit war die Sache abgethan.

Es war an einem Nachmittage und der Prälat war ausgegangen. Giovanni der Kammerdiener hatte diese Gelegenheit benutzt, um einen Besuch zu machen, und das andere Dienstpersonal hatte sich in dem schattigen Hofe um Beppo und seinen Affen eingefunden, und dieser gab nun eine höchlich belustigende Extravorstellung, bei welcher auch Sisto, angeregt durch seinen Kameraden, mitwirkte, indem er den Dudelsack blies, welchen ein Stalljunge verschafft hatte. Signora Lucia, deren Zimmer nach einer andern Seite hin lagen, konnte kaum sich gestört fühlen, und so überließen sich alle Beteiligten rückhaltlos dem Vergnügen.

Da erschien eine neue Persönlichkeit. Man wußte nicht recht, wo sie hergekommen war, aber sie war eben mit einem Male da, mitten in der lustigen Gesellschaft, die ihn beinahe verdutzt anschaute. Er war ein vierschrötiger Bauer, seinem Anzuge nach aus dem Neapolitanischen, und er lachte über die Späße des Aeffchens so lustig und laut, als ob er ein volles Recht hätte, hier zu sein.

Da stellte ihn der Koch, welcher dem Range nach in diesem Kreise am meisten dazu berufen schien, zur Rede, und fragte, was er denn wolle?

»Ja so« – lachte der Angeredete breit und grinsend, so daß eine Reihe blanker Zähne aus dem mit großen Bartstoppeln bedeckten Munde hervorglänzten – »ich will hier einen Besuch machen!«

Jetzt sah erst Beppo, der mit seinem Piccolo beschäftigt gewesen war, auf, und gleichzeitig flog ein Strahl des Erkennens durch sein Auge.