»Schweig, um der Heiligen willen und geh!«
»Ja, ja!« sprach er, da er ihr angstverzerrtes Gesicht schaute, »und vergiß nicht zum nächsten Vierteljahr!«
Er stolperte hinaus, Lucia aber sank in einen Sitz und schlug die zitternden Hände vor das Gesicht.
Der Bauer ging langsam, mit der Rechten mit der Geldrolle in seiner Tasche spielend, durch das Vorzimmer und auf dem Flur traf er Sisto.
»Ah, mein Junge, meine Schwester ist gut« – sagte er, eine Hand voll Goldstücke hervorziehend, von denen er dem Knaben eins reichte. Der aber weigerte sich, es anzunehmen, und in demselben Augenblicke rief ihn auch die Stimme der Signora.
Er eilte in ihr Gemach und fand sie noch immer sehr erregt, so sehr sie sich auch bemühte, ruhig zu erscheinen. Sie empfing ihn ziemlich streng:
»Der Mann, welcher eben gegangen, ist mein Bruder nicht, Sisto – verstehst Du mich? – Er ist ein ferner Verwandter von Monsignore, von welchem dieser nicht belästigt zu werden wünscht, und Du wirst Dich hüten, ihm etwas zu sagen, daß er hier gewesen sei. Das mögen auch die anderen wissen, denen er etwa den Unsinn, daß ich seine Schwester sei, vorgeschwätzt hat. Dafür sorge, und wehe dem, der gegen diese Anweisung handelt. Geh!«
Der Knabe ging, aber er fühlte mit seinem naiven Sinne heraus, daß hier im Hause nicht alles in Ordnung sein müsse, und das war ihm unbehaglich.
Einige Tage später war er im Arbeitszimmer des Prälaten und hatte diesem eine Meldung zu machen. Parelli schien verstimmt und suchte in den Schubläden und Fächern seines Sekretärs, murmelte auch unverständliche Worte vor sich hin, bis er sich zu dem Knaben wandte und ihn scharf anblickend, fragte:
»Sisto, hast Du von meinem Schreibtisch etwas fortgenommen?«