Der Junge sah mit seinen großen, treuen Augen zu seinem Herrn auf und sagte einfach:
»Nein, gnädiger Herr!«
»Mir fehlen – mir fehlt – hm … mir fehlt etwas!«
»Was ist's, Monsignore? Vielleicht ist's verlegt worden?«
»Nein, nein – aber, es ist gut, Du kannst gehen!«
Mit schnellen Schritten ging der Prälat im Gemache auf und nieder:
»Ich kann das Geld nicht ausgegeben haben, es lag gewiß hier … Sisto hat es nicht, unmöglich! Wenn er mit solchen Augen lügen könnte, müßten selbst Engel zu stehlen imstande sein. Giovanni ist mir ganz treu und sicher; er nimmt keine Stecknadel; wer könnte sonst noch? – Lucia? Pah, wozu? Ich erfülle alle ihre Bedürfnisse … sollte ich mich doch irren und die kleine Summe zu Tognola u. Co. gegeben haben? – Ich muß vorsichtiger mit meinem Gelde sein, und darf niemanden in Versuchung führen.«
Nach diesem Selbstgespräch schloß er den Sekretär, zog den Schlüssel ab und ging bald darauf aus. Er beschloß, Quandt aufzusuchen und zu sehen, wie weit er mit seinem Bilde gekommen war.
Dieser beeilte sich, wie erwähnt, nicht allzu sehr. Seinen beiden Modellen that dies nicht leid; sie kamen nur zu gern in das Atelier des deutschen Malers, wo es manchen Leckerbissen, und, was mindestens Sisto noch lieber war, manches freundliche Wort gab. Frau Friederike war in den prächtigen Jungen geradezu vernarrt. Sein treuherziges, offenes Wesen, sein frisches, schönes Gesicht mit den dunklen Locken und den blitzenden Augen hatten es der jungen, kinderlosen Frau angethan, und Sisto selbst fühlte sich bald in der freundlichen Behausung des deutschen Malers heimisch, mehr noch als im Palais des Prälaten, wo er sich doch bei aller Güte seines Herrn fremd vorkam.