»Weiß Monsignore davon?«

»Nein, Herr!«

»Dann will ich mit ihm reden.«

Der Knabe errötete und stammelte:

»Ach, das würde mich sehr glücklich machen, Signore.«

An demselben Tage, an welchem dies Gespräch stattfand, war der Prälat nach dem Atelier gekommen. Er freute sich an dem Bilde, das er schon als sein Eigentum betrachtete und rühmte namentlich den Kopf Sistos, der sich mit lebensvoller Schönheit von der Leinwand abhob. Da benützte der Maler die Gelegenheit, Parelli den Wunsch des Knaben vorzutragen, und dieser zeigte sich sogleich geneigt, demselben entgegenzukommen.

»Ich habe auch schon gedacht, daß der Junge etwas anderes werden soll, als ein Bedienter, und wir wollen sehen, ob er Talent hat; es soll mich freuen. Aber wissen Sie, warum ich eigentlich heute komme? Ich wollte Sie und Ihr Frauchen einladen, morgen mit mir in die Campagna zu fahren, nach Tivoli; Frau Friederike muß ja hier in Ihrem Atelier verkümmern. Was meinen Sie?«

»Sie sind zu freundlich, Monsignore … aber wenn Sie gestatten, rufe ich meine Frau, damit Sie selbst ihre Freude sehen können. O, sie ist wie ein Kind, und so leicht glücklich zu machen!«

Schon nach wenigen Augenblicken eilte Friederike herein, die lieblichen Wangen rot übergossen. Ihre Blicke sagten, daß sie schon wußte, um was es sich handle, und der Prälat war entzückt, als er solche unmittelbare, reine Freude sah. So ward alles für den anderen Morgen verabredet, und zur bestimmten Stunde hielt der bequeme und vornehme Wagen des Bischofs vor der Thüre des kleinen Hauses. Friederike setzte sich zu seiner Rechten, Quandt, ihr gegenübersitzend, hatte die besondere Freude, immerwährend ihr glückliches, rosiges Gesicht, ihre schönen, schimmernden braunen Augen zu sehen und war so doppelt froh.

Der Morgen war außerordentlich schön, etwas kühl, aber von wunderbarer Klarheit, und wie eine Glocke von Azur wölbte sich der Himmel über der ewigen Stadt, deren Gassen noch schweigend lagen. Durch die Porta San Lorenzo ging es hinaus und die alte Via Tiburtina entlang. Durch einen felsigen Engpaß zwängt sich die Straße hinab nach dem Teverone, und dann rollte der Wagen auf dem Lavaboden fort, hinein in die Campagna. Weithin dehnt sich ihr müdes Flachland, nur da und dort von einer Hügelwelle gefurcht. Vergebens sucht das Auge nach freundlichen Baumgruppen und grünen Gärten – und doch liegt ein eigentümlicher Reiz über der Landschaft.