Parelli entfaltete dem jungen Priester gegenüber seine ganze Liebenswürdigkeit.
»Sie sind gewiß anläßlich des Konzils nach Rom gekommen.«
»Jawohl, ich gehöre zu dem geistlichen Gefolge Seiner Eminenz des Prager Fürsterzbischofes.«
»Der Kardinal Schwarzenberg. Ach, ein ausgezeichneter Herr, ein feiner, vornehmer Herr … nun, ich freue mich, Sie kennen zu lernen, und Sie verbinden uns, wenn Sie sich uns anschließen.«
»Ich bin für die gütige Aufforderung um so dankbarer, als ich eigentlich von meinen Reisegefährten treulos verlassen erscheine. Ich hatte heute morgen mit zwei jungen Franzosen, welche ich zufällig traf, einen Wagen gemietet für den ganzen Tag. Während der Fahrt zeigte sich, daß wir nach unsern ganzen religiösen und sittlichen Anschauungen nicht zusammen paßten, und als ich ausstieg, um die Villa Adriana zu besuchen, fuhren sie weiter, und wir wollten uns hier in ›La Sibilla‹ zusammenfinden. Sie sind nicht da und, wenn sich der Wirt, bei welchem ich mich erkundigte, nicht getäuscht hat, sind sie weiter gefahren nach Subiaco und haben mich hier zurückgelassen.«
»Ein Gewinn für uns,« sprach Parelli verbindlich, »und ich freue mich, Ihnen zur Rückfahrt nach Rom noch einen Platz in meinem Wagen anbieten zu können.«
»Den ich mit größtem Dank annehme, Monsignore.«
Nun wurde das Gespräch allgemeiner und heiter, und man fand immer mehr gegenseitiges Gefallen an einander. Da ließ sich nahe bei ihnen an einem Tische ein vierschrötiger Mensch nieder, seiner Kleidung und seinen Manieren nach ein Bauer. Breit und behäbig stemmte er sich auf seine Ellenbogen und sah ziemlich unverschämt nach dem Prälaten und seinen Begleitern, die sich nicht weiter um ihn kümmerten.
Als ein Kellner zu ihm herantrat, bestellte er die teuersten Gerichte und den besten Wein, und erregte dadurch zweifellos das Mißtrauen des Anfragenden. Er sah zu demselben mit einem schiefen Blick aus zusammengekniffenen Augen empor und sagte laut, daß man es weit hören konnte:
»Glaubt Ihr, weil ich den Bauernkittel trage, daß ich kein Geld im Sacke habe? Es gelüstet mich auch einmal, wie Herrenleute zu leben – und ich kann's. Ja, mein Schwager ist auch ein Monsignore, so gut wie der da drüben … mein Schwager nämlich, bei dem mein – na … meine Schwester lebt. Hier ist ein neapolitanischer Dukaten und da noch einer und noch einer – das wird wohl reichen – he?«