Er warf die Goldstücke auf den Tisch, daß sie klangen und sah mit rohem Lachen bald den Kellner, bald die ihm nahesitzenden Gäste an. Parelli aber war bleich geworden. Er erschrak, er wußte selbst nicht weshalb, bei den Worten des rohen Burschen – er dachte an Signora Lucia, und dann auch an das Gold, das ihm abhanden gekommen war: Es war dieselbe Münzsorte, mit welcher dort der Bauer um sich warf. Ihm war, als müsse er nach einem Zusammenhange suchen, aber er scheute das Aufsehen und mochte nicht an Dingen rühren, die ihm bedenklich werden konnten. Aber mit seinem Behagen war es vorüber, und mit ängstlicher Hast drängte er zum Aufbruch, zum Besuch der Wasserfälle.
Man folgte ihm, und da sie bei dem Bauer vorüberschritten, hob dieser eben sein Glas mit funkelndem Weine, hielt es ihnen entgegen und rief:
»Auf Euer Wohl und auf meine Gesundheit!«
Parelli errötete vor Unwillen, aber er ging ruhig weiter und hinter ihm und seinen Begleitern verklang das rohe Lachen des ungeschliffenen Burschen.
Sie stiegen nun abwärts zu den Kalkfelsen und gingen stromaufwärts zur Grotta della Sirene, wo ihnen ein Strahl des Falles entgegenrauschte, in dessen aufstäubenden Wasseratomen sich die schrägfallende Sonne brach und damit einen Regenbogenglanz über das Bild goß. Und wie sie weiter wanderten, wechselten die Bilder, aber überall war Anmut und Schönheit ihre Begleiterin, bis man von der Terrasse des Belvedere fast alle die Herrlichkeiten der sprühenden, blinkenden Cascatelle vor sich hatte. Hier rauschte und brandete der große Wasserfall in seiner Majestät niederwärts, und alle die kleineren Fälle dienten ihm mit ihren malerischen Einzelheiten zur köstlichen Folie.
Von da aus gingen sie, um nicht umkehren zu müssen, geradeaus weiter. Bei dem Kirchlein S. Maria di Quintiliolo mußten sie anhalten. Eine Prozession mit wehenden Fahnen kam herbeigezogen. Ein Kreuz wurde vorangetragen von einem jungen Mönche; ihm folgten eine Anzahl Ordensleute und dann Männer, Weiber und Kinder, singend und betend. Es war ein malerischer Anblick, aber erhebend oder andachtsvoll wirkte er nicht. Der Prälat zog vor dem Kruzifix seinen breitrandigen Hut, Frohwalt und Quandt thaten desgleichen, indes die junge Frau erstaunt, mit großen, verwunderten Augen, welche deutlich bekundeten, daß ihr der Anblick neu war, den lebhaften, singenden Zug an sich vorübergehen ließ. Als der letzte, ein zerlumpter Campagnole mit langem, grauem Bart, offenbar ein Bettler, kam, warf ihm der Prälat eine Münze in den abgezogenen, schäbigen Filzhut und fragte:
»Warum veranstaltet man diese Prozession nach S. Maria di Quintiliolo?«
»Wir bitten, daß die Madonna die Väter des Konzils erleuchten möge, damit sie die Unfehlbarkeit des heiligen Vaters annehmen.«
Damit humpelte der Alte weiter; die Reisegefährten aber wandten sich schweigend ab und schritten zwischen den alten, knorrigen Olivenbäumen abwärts gegen die Ponte dell' Aquoria, wo ihr Wagen wartete.