Es war köstlich, wie die drei Menschen an dem rundlichen Tische beisammen saßen, und beim Schein der antiken Bronzelampe, die Häupter nahe an einander geneigt, sich in das Anschauen der Entwürfe vertieften, welche der Maler in einer Mappe herbeigebracht hatte und die er nun in köstlicher Weise erläuterte. Es waren Erinnerungen aus seinem Leben, welche an diese Skizzen sich knüpften, und die er freimütig, ungesucht, und oft von prächtigem Humor durchwoben, darbot. Dazu gab das junge Weib, das sich mitunter wärmer und inniger an den Gatten schmiegte, ab und zu eine schalkhafte Bemerkung, aus der aber beinahe immer ihr liebeerfülltes Herz redete, und Frohwalt hatte bei dem Anblick dieses sonnigen, stimmungsvollen Familienlebens gar seltsame Empfindungen. Es mußte doch etwas Herrliches darum sein, wenn zwei Menschen, so mit einander verbunden, durch's Leben gingen – eins in ihrem Lieben, Hoffen und Glauben!

Heinrich Quandt hatte wieder ein neues Blatt aufgeschlagen, und aus dem Auge Friederikens leuchtete ein wärmerer Strahl erst über die reizende farbige Skizze hin, und dann nach dem Angesicht ihres Mannes. Das Bildchen aber stellte ein schlichtes, mit Holzfachwerk erbautes Haus mit breitem Giebel dar, der halbverdeckt erschien durch eine mächtige, breitästige Linde. Im Hintergrunde schaute über grüne Gartengehege ein Kirchturm heraus. Im geöffneten Giebelfenster waren die Oberkörper zweier Menschen sichtbar, der eines alten Herrn mit grauem Haar und unendlich milden, gütigen Zügen, und jener einer Frau, die wenig jünger sein mochte. Vor dem Hause aber fütterte ein junges, hochgewachsenes Mädchen mit kindlichen, frischen Zügen die lustig um sie sich drängenden Hühner und die vom Schlage herbeigeflatterten Tauben, während ein anderes Mädchen auf der schlichten Holzbank unter dem Lindenbaum saß und lächelnd nach der Schwester hinüberschaute.

»Das sind Sie –!« sagte Frohwalt, einen vergleichenden Blick nach der jungen Frau werfend, und sie nickte mit leisem Erröten.

»Das freut mich, daß Sie es finden – Fritzel hat stets behauptet, ihr Gesicht wäre das einzige an dem Bilde, was nicht gut wäre, und zur Strafe dafür lasse ich dasselbe in der Mappe liegen, anstatt es unter Glas und Rahmen in ihrem Zimmer aufzuhängen. Ja, das ist das Heim von meinem Schatz; hier sehen Vater und Mutter in Sonnabend-Feststimmung zum Fenster heraus und Schwester Trudchen füttert ihre Lieblinge. Schade, daß man nicht das Läuten der Abendglocken vernehmen kann, aber da hört unsere Kunst auf.«

»Ja, es ist ein allerliebstes Bildchen,« versicherte Frohwalt – »eine anmutige friedensvolle Stimmung weht aus demselben, so daß man wünschen möchte, hier gleichfalls daheim zu sein.«

»Und doch wäre es Ihnen vielleicht nicht so ganz behaglich, Verehrtester, nehmen Sie mir's nicht übel – – denn es ist ein protestantisches Pfarrhaus

Der Adjunkt fühlte, wie er einen Moment lang die Farbe wechselte: die Hand, mit welcher er die Skizze gefaßt hatte, sank auf den Tisch, indem Quandt, der wohl über das Unbehagen der Situation rascher hinwegführen wollte, dasselbe vielleicht auch nicht einmal bemerkte, sagte:

»Ja, ich habe mir mein Fritzel aus dem Erzgebirge und wirklich und wahrhaftig aus einer protestantischen Landpfarre geholt, obwohl ich selber ein ganz guter Katholik zu sein glaube. Aber die böse Liebe, Herr Doktor – ja, die richtet manches Schlimme an!«

Frohwalt versuchte, einigermaßen verlegen, zu lächeln, der Maler aber fuhr weiter fort:

»Wir haben uns aber, wie Sie vielleicht selbst herausfinden, trotzdem wir nun schon über vier Jahre zusammengespannt sind, recht gut in einander gefunden, und ich denke, Sie lassen es mein Weibchen nicht entgelten, daß sie nicht unseres Glaubens ist … sie ist im übrigen wirklich lieb und gut und brav.«