Er kam sich vor wie Tannhäuser im Venusberge, er fühlte, wie eine seltsame, nie gekannte und doch beinahe wohlige Schwäche ihn lähmte, und wie er beinahe willenlos sich von seiner Begleiterin fortziehen ließ.

In einem kleinen, lauschigen Gemach mit dunklen Möbeln, das nur matt erhellt war, ließ sie auf einem kleinen Sopha sich nieder und zog ihn an ihre Seite.

»Hier ruhen wir einen Augenblick – denn hier ist das schönste Bild, welches Monsignore besitzt.«

Es war ein in großem Stil gehaltenes Werk in dunklem Rahmen, welches gegenüber dem Sitze an der Wand hing: Potiphars Weib.

Die schöne, heißbegehrende Egypterin lag mit halb erhobenem Leibe auf purpurdunklem Pfühle. Das nilgrüne, duftig-durchsichtige Gewand war von dem Oberkörper herabgesunken, wie aus einem matten, gelblichen Schleier, der wenig genug verhüllte, schimmerte die königliche Büste, der Kopf war von wundersamer, berückender Schönheit mit seinen glutendunklen Augen, mit dem blauschwarzen, leicht gewellten Haar, das sich um die weiße Stirn ringelte und die vollen, schönen, nackten Arme streckte sie begehrend aus nach dem nicht sichtbaren Joseph.

Frohwalt hatte nie ein solches Bild gesehen. Sein Atem ging schneller und kürzer, seine Augen hafteten fest auf dem entzückenden Weibe, und wie Faust vor dem Zauberspiegel der Hexenküche, so kam auch ihm wie ein zuckender Blitz der Gedanke: »Ist's möglich, ist das Weib so schön?«

Da fühlte er mit einem Male den heißen Hauch der Italienerin näher an seinem Gesichte, er sah die lodernden, dunklen Augen fast dicht vor den seinen, rote Lippen schienen ihm entgegenzuzittern, und bebend vor Erregung, eigentümlich tiefförmig und weich, rang sich das Wort von ihnen:

»Sagen Sie – war Joseph nicht ein Thor?«

Das Wort gab ihm seine fast verlorene Besinnung zurück; er wollte aufschreien: Potiphar! aber er bezwang sich, sprang von seinem Sitze auf, atmete einmal tief und sagte dann mit merkwürdiger Festigkeit:

»O nein, Signora, er war ein Held! … Aber wollen wir nicht Monsignore aufsuchen?«