Das Blut war dem schönen, üppigen Weibe zurückgetreten aus den Wangen, mit fahlem Gesicht, in dem die dunklen Augen noch leuchtender sprühten, sah sie dem stattlichen jungen Manne nach, der jetzt langsam, unbekümmert um sie, dem Ausgang des Gemaches zuschritt, und die kleinen Hände vor Unmut, Zorn und Scham geballt, ging sie ihm nach. –
… Die Hände vor Unmut, Zorn und Scham geballt, sah sie dem stattlichen jungen Manne nach … (S. 276.)
Bald darauf verabschiedete sich Frohwalt von dem Prälaten und dem Jesuiten. Der erstere entließ ihn mit herzlicher Freundlichkeit und lud ihn zuvorkommend ein, seinen Besuch bald zu wiederholen, der andere aber sah ihn mit seinem kalten, klaren Blick so forschend an, als wollte er in seiner Seele lesen, und da der junge Priester gegangen, sprach er zu Parelli:
»Seltsame Menschen, diese Deutschen! Ehrlich, aber wenig klug, starrköpfig, aber ohne große Ziele, schwärmerisch für Ideale begeistert, aber feige in der Wahl ihrer Mittel.«
»Aber ein Volk mit einer starken Zukunft, gründlich in seinem Wissen, kühn in seinem Wollen, kraftvoll in seinem Können,« erwiderte der Prälat.
Peter Frohwalt aber war in mächtiger, schwer bekämpfter Erregung fortgegangen. Was für ein Odem wehte durch dieses glänzende Haus eines hohen kirchlichen Würdenträgers? Wie die verkörperte Sünde ging das schöne, buhlerische Weib darin hin und her, wie die Herrin des Hauses, und wohl auch wie die des Hausherrn. Wenn das am grünen Holze war, was Wunder, wenn es sich auch an dem dürren fand? – Wenn das im Palaste des Prälaten sein konnte, warum nicht auch in der armen Landpfarre zu Nedamitz? Und jene Barbara war vielleicht noch um ein gutes Teil besser als diese Signora Lucia Vergani.
Er nahm sich vor, niemals mehr die Schwelle dieses Hauses zu überschreiten. Welch ein reiner Geist lebte dagegen in dem schlichten, anmutigen Heim des deutschen Malers, dessen Weib doch eine »Ketzerin« war, eine nach seinen bisherigen strengen Begriffen Verworfene und vom Himmel Ausgeschlossene. Nein, von solcher Satzung konnte der Allgütige nichts wissen, die ewige Liebe konnte sie nicht billigen, und wenn ein Papst einen solchen Grundsatz verkündet hatte, so war es schon um deswillen unmöglich, daß er unfehlbar sein könne.
Peter Frohwalt fühlte, daß an diesem Tage eine Erschütterung durch seine Seele, durch sein ganzes bisheriges Glauben und Empfinden gegangen war, und daß der Widerwille, den er gegen den Protestantismus empfunden, in seinem Herzen schmolz wie der Schnee vor dem hellen warmen Frühlingsstrahl. Und wie nach dem Besuche bei Quandt mußte er auch heute wieder mit wärmerer Zuneigung seiner Schwester, und mit versöhnlicher Milde seines Schwagers gedenken.
Und als ob der Himmel selbst ein solches Erinnern unterstützen wollte, fand Frohwalt, als er heimkam, einen Brief vor von Vetter Martin. Ein Gruß aus der Heimat! Wie mit einem Schlage war die ganze Erregung, mit der er das Haus des Prälaten verlassen hatte, in ihm verwischt, hinter ihm versank alles andere, und von freundlichem Licht umwoben stand das kleine Landstädtchen im westlichen Böhmen vor ihm, und alles, was er dort lieb hatte. In solcher Stimmung öffnete er das Schreiben und las: