Der Alte war nach den Ruinen von Tuskulum gelangt, wo einst die vornehmsten Römer ihre Landsitze gebaut hatten, unter ihnen auch Cicero. An den Ueberresten des Theaters vorbei schritt er auf dem vulkanischen Boden hinauf nach der alten Burg, von wo aus ein herrlicher Blick ins alte Latium geboten sein mußte. Und in der That, wo der Bergrücken ziemlich schroff abfällt, that sich ein wundersam schönes Landschaftsbild auf. Hier aber saß auf einem Steinblock ein blonder Mann mit breitrandigem Hute unter einem aufgespannten Schirm und skizzierte in seinem Buche, während eine junge hübsche Frau, im hellen Gewande, mit leichtem Sonnenschirm hinter ihm stand, und mit den leuchtenden braunen Augen über seine Schulter weg bald auf das Bild, welches unter seiner Künstlerhand sich gestaltete, bald auf jenes, das da sonnenvoll sich weit ins Land dehnte, schaute.
»Guten Tag!« grüßte der alte Weltfahrer in deutscher Sprache, als ob das gar nicht anders sein könnte, und die beiden anderen blickten nach ihm her und erwiderten wie aus einem Munde:
»Guten Tag!«
Und damit war die Bekanntschaft gemacht zwischen dem Maler Heinrich Quandt und seiner munteren jungen Frau einerseits und zwischen Jakob Martin, »Naturforscher und Naturbummler«, andererseits, und beide Teile schienen ungemein viel Gefallen an einander zu finden. Der Maler hatte trotz des Widerspruchs des Alten seine Gerätschaften eingepackt und erklärte, fertig zu sein; er ließ es sich nun nicht nehmen, dem anderen das Landschaftsbild, dessen entzückender Reiz Vetter Martin die Seele schwellte, klar zu machen.
»Dort rechts liegt Camaldoli, Tivoli, dann Monticelli, dahinter die lieben blauen Sabinerberge und in der Ferne der Soracte; links sind die Cimini-Berge und die Albanerhöhen, von denen Sie wohl herkommen.«
»Ja, auf dem Rocca di Papa und dem Monte Cavo habe ich gestanden. O, ich habe manches anmutige Erdenfleckchen gesehen, aber einen so seltsamen Zauber haben wenige auf mich ausgeübt. Lassen Sie mich's schweigend aufnehmen, dann trag' ich's in der Seele mit fort!«
Der alte Mann hielt sich die Hand über die Augen, und schaute stumm und unverwandt hinein ins alte Latinergebiet, und die beiden andern störten ihn nicht in seiner Naturandacht; Friederike stützte sich nur fester auf den Arm des Gatten und schmiegte sich inniger an ihn. Nun drehte sich Martin um.
»Jetzt aber will ich nach Frascati und auch für mein sterblich Teil sorgen; ich hoffe, es giebt etwas Anständiges zu essen und zu trinken.«
»Wenn Sie uns mitnehmen, schließen wir uns Ihnen zu gleichem Zwecke an, und überdies würden Sie uns eine Freude machen, wenn Sie in unserem Wagen mit nach Rom führen.«
»Das nehme ich an, denn Sie gefallen mir, Herr Quandt mitsamt Ihrem Frauchen und mit guten Menschen kann man nicht lange genug beisammen sein. Das nehme ich als gutes Vorzeichen für meinen Einzug in Rom. Also: frisch auf nach Frascati!«