Der Maler schien den Weg genau zu kennen; er schlug den schönsten ein, der über Cappucini und vorüber an der prächtigen Villa Ruffinella, die auf der Stätte, wo einst Cicero sein Tuskulum hatte, Lucian Bonaparte sich erworben hatte, und die gegenwärtig wohl dem König von Italien gehört. Dies Frascati ist eine Villenstadt, in welcher überall aus herrlichen Gärten die schönsten und stilvollsten Bauten hervorlugen, von deren Loggien und Terrassen sich entzückende Fernsichten bieten über die Campagna und in die blauen Sabinerberge.

Auf dem Wege plauderte der Alte in seiner gewohnten, gemütlichen Weise:

»Daß der erste Römer, welchem ich begegne, ein Deutscher sein würde, hätt' ich mir doch nicht träumen lassen. Also aus Dresden sind Sie? – Um so besser, da sind wir ja eigentlich gute Freunde als Sachsen und Oesterreicher, noch vom Jahre 66 her. Es war eine garstige Zeit, Herr, und die Preußen mitsamt ihrem Bismarck haben mir schwer im Magen gelegen. Aber der Teil ist gut bei mir, und darum hab' ich's verdaut und sage: 's ist vielleicht auch gut gewesen, und Bismarck – alle Hochachtung!«

»Ich fürchte fast, daß uns im katholischen Oesterreich das Jahr 70 noch Schlechteres bringt, als 66. Und das wird hier zusammengebraut, in Rom – ich meine den neuen Glaubenssatz. Ich weiß nicht, wie Sie zu der Sache stehen –«

»Ich bin Katholik, aber ich beklage mit Ihnen diese Jesuitenmachenschaften, und meine Frau ist eigentlich gleichgültig bei der Sache – sie ist Protestantin,« sagte Quandt ernst.

»So? – Na, dann verstehen wir uns um so besser. Ich habe noch eine kleine Hoffnung; die österreichischen und deutschen Bischöfe, sagt man, wollen von dem neuen Glaubenssatz nichts wissen, und leisten Widerstand. Das möcht' ich mir einige Tage hier in der Nähe ansehen, das heißt, soweit das möglich ist. Eine kleine Fühlung mit dem Konzil hab' ich durch meinen Paten – er nennt mich zwar immer Vetter – der auch hier ist im Gefolge des Prager Erzbischofs, Dr. Peter Frohwalt – –«

»Frohwalt?« schrie der Maler – »das ist ja ein guter Freund von uns, der vielfach in unserem Hause verkehrt – nicht wahr, Fritzel?«

»Na, da bleibt doch die Weltgeschichte stehen« – rief der Alte – »was? Mein Peter Frohwalt verkehrt bei Ihnen, und er weiß, daß Ihre Frau evangelisch ist?«

»Jawohl!«

»Das ist mir eine große Zeitung, und Sie wissen gar nicht, wie mich das freut! Aber auf diese Weise sind wir ja einander noch viel näher gekommen. Und das Wunder hat die kleine Frau da zu Wege gebracht? Hören Sie, unsere Bekanntschaft ist noch sehr jung, aber nach dieser Mitteilung müssen Sie gleich nach den Erzengeln kommen, Frau Quandt – dafür kenne ich meinen Peter.«