»Ja, und ich schätze meine Fritzel auch wie meinen Erzengel!« sagte lachend der Maler und legte leicht den Arm um die Taille des jungen Weibes.

So kamen sie nach Frascati. Im freundlichen Garten einer Schenke hielten sie Einkehr, fröhliche Leute, die auf dem kurzen Wege völlig Freunde geworden waren, und bald saßen sie an einem Tische bei einem einfachen Mahle und stießen mit dem trefflichen Weine von Frascati an.

Neben ihnen, am nächsten Tische, saßen zwei Männer beim Würfelspiel. Sie waren sehr lebhaft nach Art der Südländer, und die dunklen Augen in den braunen Gesichtern funkelten. Der Eine war ein stämmiger Bursche in ländlicher Tracht, und wie der Maler das weinrote, gedunsene Gesicht sah, kam es ihm bekannt vor, doch wußte er nicht gleich, wo er demselben begegnet war.

Jetzt stieß der Mann einen lauten Fluch aus, fuhr in die Tasche und warf klingend ein Goldstück auf den Tisch.

»Das ist der letzte! Ein neapolitanischer Dukaten – und wenn er weg ist, geh' ich zu meinem Schwager und hole mir mehr! Wirf!«

Jetzt wußte Quandt, mit wem er es zu thun hatte; das war der rohe Bursche, dem er in Tivoli begegnet war, als er in Gesellschaft Parellis und Frohwalts dort gewesen war, und der Mensch gewann für ihn einiges Interesse; auch Vetter Martin hielt den Blick nach ihm hingewendet. Die Würfel klapperten und fielen – einmal, zweimal.

»Maledetto! Schuft!« schrie der Bauer, und sprang mit lodernden Augen auf. »Du spielst falsch – her mit meinem Gelde!«

Der andere hatte das kleine Goldstück erfaßt, und sie rangen darum, nur zwei Sekunden. Da blitzte in der Hand des Neapolitaners eine blanke Klinge. Die beiden Deutschen sprangen gleichzeitig auf, aus der Schenke, um deren offene Fenster die Weinranken spielten, kreischten Weiberstimmen … und einen Augenblick später taumelte der unselige Gewinner zurück, hielt sich mit der einen Hand an der Tischplatte und preßte die andere gegen die Brust, und über diese rann ein heißer roter Strahl Der Angreifer aber schien jetzt erst in noch größere Wut zu geraten und wollte sich von neuem auf sein Opfer stürzen. Da packte ihn eine kraftvolle Faust von rückwärts, und eine starke Hand hielt ihm die erhobene Rechte mit dem blutbefleckten Messer fest, während sich die Person des Malers vor den Angegriffenen warf.

»Ich halte die Bestie schon,« rief Martin – »holen Sie Stricke, daß wir ihn binden!«

Der trunkene Bauer wehrte sich aus allen Kräften, aber Vetter Martin hatte durch die Abhärtung auf seinen Reisen eine Muskelstärke, die man ihm nicht zutraute; er hielt den andern wie in eisernen Klammern und rief noch einmal nach Stricken. Nun kamen der Wirt und seine Weibsleute herbeigelaufen; die letzteren nahmen sich des Verwundeten an, der ziemlich gut weggekommen zu sein schien, denn er schimpfte laut gegen den Angreifer, nannte ihn Dieb, Räuber, Mörder, Falschmünzer … und was ihm eben noch an wenig schmeichelhaften Bezeichnungen beifiel. Die Männer aber banden dem Neapolitaner die geballten Fäuste zusammen, trotzdem er mit den Füßen um sich stieß, und seine Gegner anspie, und dann fesselten sie ihn an einen Baum, wo er mit lautem Gebrüll Neugierige lockte, die sich vor der Schenke sammelten.