In diesem Augenblicke drehte sich Quandt, der vor ihnen ging, um und wies mit ausgestreckter Rechten nach einem glänzenden, von Gold strotzenden Reiter, der auf dem Fahrwege dahergesprengt kam. Unter die lustwandelnde Menge kam eine wunderliche Bewegung. Alles drängte näher an die Straße heran, die Wagen, die auf derselben fuhren, lenkten an den Rand herüber, so daß die Mitte frei ward, und blieben stehen, und von Mund zu Mund lief das Wort: Il Papa!

»Seine Heiligkeit kommt!« rief auch der Maler, und zog seine Frau nahe heran an die Straße und die beiden andern folgten.

Und nun erschien, nur wenige hundert Schritte hinter dem Vorreiter, der Wagen des Papstes, blitzend von Gold, und langsam rollte er daher. Die Musik war von der großen Palme herübergetreten an die Seite der Straße und spielte Gounods päpstliche Jubiläumshymne, und durch die angestaute Menge scholl der Ruf:

»Evviva il Papa!«

Der Diener öffnete den Schlag und der Papst stieg aus. Hunderte drängten sich heran … (S. 310.)

Beinahe unmittelbar vor unsern Freunden hielt der Galawagen, sowie die beiden andern, welche ihm folgten. Der Diener öffnete den Schlag und Pius der Neunte stieg aus. Eine schöne, edle Erscheinung, mit einem freundlichen Greisenantlitz voll Hoheit und Milde, dem man es nicht angesehen hätte, daß hinter dieser Stirne der Gedanke an die Unfehlbarkeit sich breit mache. Er trug auf dem Haupte den großen roten Kardinalshut mit goldenen Schnüren, und ein weißes, faltiges Gewand. Ihm zur Seite schritt der Kardinal Antonelli und andere hervorragende kirchliche Würdenträger, und ihr Zug bewegte sich langsam vorwärts. Von allen Seiten aber drängte es sich dichter heran, und besonders die Damen suchten das Kleid des Oberhirten der Christenheit zu berühren oder dessen besonderen Segen zu erlangen. So wogte es unmittelbar hinter ihm her von Hunderten, ja von Tausenden, die sich an seine Schritte hefteten, während sich immer aufs neue wieder seine Hand erhob und den Segen spendete. Da und dort lag wohl auch einer auf den Knieen wie vor den Heiligen, und dazu brauste immer aufs neue das »Viva il Papa!«

Quandt hatte Friederike wie ein Kind auf den Arm genommen und emporgehoben, und so sah diese noch eine Weile im verglimmenden Abendsonnenschein den roten Kardinalshut, Vetter Martin aber wendete sich zu Frohwalt und sprach, wie im Anschluß an das, was dieser vordem gesagt hatte:

»Ja, Du magst recht haben, Peter … Sie werden sich beugen!«