Die Volkswoge strömte wieder zurück. Der Spaziergang des Papstes, welcher keine Erholung war, war beendet; dichter drängte sich noch einmal die Menge um den glänzenden Wagen, ehe dieser von dannen rollte. Martin aber sah in diesem Augenblicke nicht mehr den Papst, sondern jenseits des Fahrwegs in dem dichtgedrängten Menschenwalle ein Gesicht, das ihn jetzt ungleich mehr zu interessieren schien, und in das »Viva il Papa!« hinein schrie er ziemlich laut: »Hans Stahl!«

Verwundert sah ihn Frohwalt an; der Alte deutete mit dem Finger, eine Sekunde lang war es auch dem jungen Priester, als sehe er das lustige Gesicht des ehemaligen wendischen Seminaristen, aber dann war es auch schon in der Flut verschwunden.

»Das ist ja gar nicht möglich!« sagte Peter, als sie einigermaßen wieder in Bewegung kamen.

»Da wette ich mein ganzes Museum gegen ein Gericht muffiger Makkaroni, wenn das nicht mein geliebter Windhund war. Das weiß der Himmel, wie der hierher kommt. Aus alter theologischer Neigung sucht der das Konzil nicht auf, und daß ihn seines Vaters Leinengeschäft hierher entsendet hat, will mir nicht einleuchten. Hier stehe ich vor einem Rätsel!«

»Na, Vetter Martin, das nenne ich Glück,« sagte jetzt Quandt – »den ersten Tag hier und schon den Papst gesehen!«

»Das hab' ich gar nicht anders gedacht,« erwiderte der Alte – »das Merkwürdigste immer zuerst: Pius der Neunte und Hans Stahl!«

Langsam schritten sie weiter durch die aufs neue bewegte Menge, und als die Schatten des Abends kamen, wanderten sie durch den glänzenden Corso wieder heimwärts. –

Meister Quandt und Friederike ließen es sich nicht nehmen, dem alten Herrn die Sehenswürdigkeiten der ewigen Stadt in eingehender Weise zu zeigen, und wenn es Frohwalt irgend möglich war, so beteiligte er sich gern an diesen Spaziergängen und Vetter Martin fühlte sich in Rom trotz der Konzilsverhandlungen sehr behaglich. Aus der Heimat hatte er mancherlei erzählt, was sich in der Hauptsache mit seinem Briefe deckte, nur betreff der Familie Haller schienen seitdem die Schatten noch düsterer geworden zu sein: Therese litt mit der Geduld und der stummen Ergebung einer Märtyrerin.

Gerade die Erinnerung an sie ließ Vetter Martin immer wieder lebhafter auch an Hans Stahl denken, und so oft er jetzt die ewige Stadt durchschweifte, teilte er seine Aufmerksamkeit zwischen deren Sehenswürdigkeiten und den Menschen, die ihm begegneten. Aber sein Suchen schien vergebens; entweder hatten ihn seine Augen auf dem Monte Pincio doch getäuscht, oder der junge Lausitzer war wieder verschwunden.