Rom feierte in jenen Tagen das Fest der Lämmerweihe. Die Nonnen des Klosters in der Via Torre de' specchi am Capitol haben seit langer Zeit alljährlich die beiden Lämmer in Verwahrung und Pflege, welche bestimmt sind, am Osterfeste vom Papste und einigen besonders geladenen Kardinälen verspeist zu werden, und aus deren Fellen Pallien (Krägen) für die höchsten Kirchenfürsten gewebt werden.

Diese Lämmer werden an einem Frühlingstag in der Kirche der heiligen Agnes vor der Porta Pia nach altem Brauche von einem Kardinal für ihre Bestimmung eingeweiht, und die lebensfrohen Römer verbinden damit ein Volksfest. Der ganze Vorgang erhielt in diesem Jahre eine besondere Bedeutung und seinen außergewöhnlichen Glanz durch die Anwesenheit zahlreicher Prälaten, und der Himmel that zur Verschönerung des Festes sein Möglichstes: Er lachte rein und tiefblau über der alten Basilika St. Agnese und über den tausend Menschen, welche sich in derselben und um dieselbe herum drängten.

Unsere vier Freunde fehlten nicht, und da sie bei Zeiten sich dazu gehalten hatten, hatten sie noch Plätze in der Kirche gefunden und schauten nun, wie viele andere, auf Bänken und Stühlen stehend, dem kirchlichen Schauspiele zu. Auf dem Hauptaltare, unter einer von vier dunklen, mit Blumen bekränzten Säulen getragenen Kuppel stand, schimmernd von Kerzenglanz, das Bild der heiligen Agnes, zur Hälfte ein schönes antikes Statuenbruchstück aus Alabaster, dem Kopf und Hals von Goldbronze angesetzt wurden, und vor demselben liegen auf reichgeschmückten Kissen die beiden Osterlämmer, mit blendend weißem Vließ, geputzt mit roten Seidenbändern, die Füße zusammengebunden, und sehen mit den gutmütig-blöden Augen den vornehmen Priester in der roten Kardinalssoutane an, der, umgeben von zahlreichen Assistenten, nun mit Salböl und Weihwasser den feierlichen Akt an ihnen vollzieht.

Nach der Festlichkeit aber stürmte das Volk mit seiner ganzen südlichen Lebendigkeit und Lustigkeit in die zahlreichen, ringsum liegenden Weinschenken, und beim Becherklang schallte fröhliches Lachen und Singen, während die Nonnen mit ihren Lämmlein wieder nach der Stadt zurückfuhren.

Unsere Freunde waren auseinander geraten. Der Maler, der sein Frauchen fest am Arme gehalten hatte, hatte sich endlich nach vergeblichem Suchen mit ihr nach einem der Weingärten gerettet, Martin aber und Frohwalt hatten eine andere aufgesucht, denn den Alten plagte der Durst. Es war alles schon besetzt, als sie in den freundlichen Garten traten, und schon wollten sie ihren Stab weiter setzen, als der Alte mit einmal seinen Begleiter bei der Hand faßte und mit der Rechten nach einem entlegenen Tischchen deutete.

Und dort saß Hans Stahl, wie er leibte und lebte. Vetter Martin brach sich beinahe stürmisch Bahn, als könnte ihm sein junger Freund zum zweiten Male entwischen, und schon von weitem rief er ihn beim Namen.

Der Extheologe schrak auf, und da er den Rufenden erkannte, huschte eine heiße Röte ihm über das Gesicht, und er sprang empor:

»Vetter Martin!«

»Ja wohl – adsum! Da sind wir, der Doktor Frohwalt auch – – ich bin schon seit einigen Tagen hinter Ihnen her wie ein Polizeispion … wie zum Henker kommen Sie denn in die Stadt des Konzils?«