Das alles sagte der Alte während des Begrüßens und Händedrückens, und er plauderte weiter:

»Aber erst ein paar Sitze und dann etwas Ordentliches zu trinken – das Weitere wird sich finden, lieber Neffe! Sie da – Signora, Signorina, Signoretta, Madonna … hol's der Kuckuck – da läuft sie hin – Hans, Sie haben mehr Verständnis mit den Weibsleuten umzugehen, sehen Sie mal zu, ob Sie mit Ihrer Liebenswürdigkeit von der schwarzbezopften Hebe etwas erwischen, worauf zwei Menschen sitzen können, und einen vernünftigen Tropfen – sonst verdurste ich Ihnen unter den Augen, eh' Sie noch Ihre zweifellos interessante Romfahrt erzählen können!«

Und Hans Stahl schien wirklich hier Verbindungen zu haben, er schaffte, was gebraucht wurde, und bald saß man eng aber nicht ungemütlich am Tische neben lustig schwatzenden Römern und glutäugigen Römerinnen, und der Jüngling berichtete, wie es schien, freilich nicht mit besonderem Behagen.

»Ach lieber Vetter Martin, verehrter Herr Doktor – ich, und im Comptoir sitzen! Das war eine grauenhafte Zeit, an die ich mein Lebtag denken will. Und ich habe – Gott weiß es – dabei den allerbesten Willen gehabt, aber ich bin vor lauter Zahlen und trockener Geschäftskorrespondenz beinahe dumm geworden und war mehr als einmal daran, davonzulaufen. Da hab' ich erst so recht gespürt, daß wir zusammen gehören, ich und die Kunst, aber wie ich auch meinen Vater anflehte, mich wieder malen zu lassen, er wollte nichts mehr wissen. Ich hab' dann geschwiegen, aber ich wär' verblutet daran. Da schickt mich mein Vater nach Dresden, um einen Ausstand von etwas über zweitausend Mark einzukassieren. O wie gerne ich nach Elbflorenz ging! Ich machte mein Geschäft ab und dann war mein erster Weg in die Galerie. Und wie ich hier stand unter all den Herrlichkeiten und wie die Seele bald weit wurde, bald wieder sich zusammenzog, da traf ich einen Freund aus der Prager Malerschule. Der ging nach Rom, wohin er an einen Meister empfohlen war, und da war's um mich geschehen. Ich weiß, daß ich Unrecht that, aber ich ging mit, das Geld meines Vaters in der Tasche …«

»Nanu!« brummte der Alte und Frohwalt rief: »Aber Herr Stahl!«

»Verurteilen Sie mich nicht! Ich habe meinem Vater alles geschrieben; ich habe ihm erklärt, ich könnte nicht wieder nach Hause kommen, er solle mir das Geld lassen, ich verlange keinen Pfennig jemals mehr von ihm, und wenn ich drüber verhungern müßte, aber ins Geschäft käme ich lebendig nicht wieder zurück.«

»Na, und was schrieb der Alte?« fragte Martin einigermaßen erregt.

Hans Stahl seufzte:

»Ich sollte thun, was ich nicht lassen könnte – aber zwischen uns wär' es aus. Verfolgen würde er mich nicht wegen Unterschlagung, das wäre er sich und seinem Namen schuldig, aber in sein Haus sollt' ich auch nicht mehr kommen. O Vetter Martin – das war hart, und ich kann's auch nicht recht verwinden …«