»Haben Sie denn auch bedacht, was Sie gethan haben?« fragte Frohwalt ernst und strafend.
»Sachte, sachte, mein lieber Peter!« beschwichtigte Martin – »hier hilft kein Vorwurf und keine Schelte. Schön und recht war's nicht, Hans, was Sie gemacht haben, aber der Topf ist einmal zerbrochen, und Sie müssen zusehen, wie er wieder zu flicken ist. Von Ihren zweitausend Mark können Sie auch nicht ewig leben, Freund Leichtfuß … und haben Sie denn überlegt, was dann geschehen soll, wenn die Moneten bis auf den letzten Obolus verpulvert sind?«
Stahl machte ein trübseliges Gesicht und ließ den Kopf hängen.
»'s ist wohl schon bald auf der Neige, he? – Ja, sagen Sie mir um's Himmels willen, was treiben Sie denn eigentlich hier, und wie denken Sie sich denn die spätere Sachlage? Sie glauben doch nicht, daß Sie sich hier in vier Wochen zu einem Raphael auswachsen werden, he?« –
»Ich arbeite im Atelier meines Freundes und habe schon einige leichtere Sachen kopiert, auch zwei davon – freilich billig genug – verkauft!«
Vetter Martin zog die Augenbrauen in die Höhe, was ebenso Verwunderung als Unmut ausdrücken konnte.
»I potztausend, Hans Stahl … jetzt wird mir's unheimlich; entweder sind Sie ein Genie oder ein trostloser Sudler, aber in jedem Falle gefällt mir Ihre Beschäftigung nicht recht. Haben Sie denn eine regelrechte Unterweisung in der Kunst bei einem vernünftigen Meister?«
»Eigentlich nicht,« stotterte Hans.
»So – dann können Sie ja über kurz oder lang, wenn's mit dem Kopieren nicht geht, die Wände tünchen, das heißt sich ja wohl auch Malerei … na, danken Sie unserm Herrgott, daß ich Sie entdeckt habe, Sie Unglückswurm. Wenn ich Sie nicht für einen grundguten Kerl hielte, und Ihnen nach meinem unmaßgeblichen Urteil ein bischen Talent zutraute, ließe ich Sie in der Patsche sitzen, und um Ihren Vater haben Sie's ja eigentlich auch nicht verdient, daß ich, ohne Ihnen eine rechtschaffene Maulschelle appliziert zu haben, wieder Vorspann leisten will … aber ich will's als eine Fügung des Himmels ansehen, daß ich Sie just hier gefunden und noch dazu an dem Feste, wo man auch mit den Lämmern und Schafen besonders liebenswürdig umgeht. Also fürs Erste soll mir ein guter Freund und Fachmann sagen, was von Ihrem Talente und Ihren bisherigen Pinselübungen zu halten ist, und wenn die Sache so ist, wie ich hoffe, dann will ich Ihren Vater in Angriff nehmen, nicht etwa daß er Ihnen zur Belohnung Ihres Wohlverhaltens einen Jahresgehalt von zweitausend Thalern aussetzt, sondern daß er die Dummheit vergißt, die Sie gemacht haben, und daß er sich daran gewöhnt, einen Künstler in der Familie zu haben. Punktum, und darauf trinken wir.«