Da er mit Hartnäckigkeit auf dieser Forderung bestand, und unverschämt genug war, zu behaupten, der Bischof von Mikrun würde seine etwaige Bestrafung in dieser Sache an dem betreffenden Richter zu ahnden wissen, und da andererseits Parelli eine hochangesehene Persönlichkeit war, so wurde diesem von dem Ansinnen des Burschen Mitteilung gemacht, beziehentlich angefragt, ob man ihm denselben zuführen dürfe.
Der Prälat fühlte bei diesem Ansinnen – er wußte selbst nicht recht weshalb – ein gewisses Unbehagen, aber der Name des Menschen, auch die Erwähnung der neapolitanischen Dukaten veranlaßten ihn, sich bereit zu erklären, ihn zu sehen. So wurde eines Morgens Gaetano Vergani gefesselt in das Haus Parellis gebracht, begleitet von einem päpstlichen Gendarmen.
Als er das Zimmer durchschritt, welches nach dem Arbeitsgemache des Prälaten führte, begegnete ihm Signora Lucia, welche von diesen Vorgängen nichts wußte, da Parelli in seiner Zuneigung zu ihr jede Unannehmlichkeit ihr ersparen wollte. Beim Anblicke des Burschen, der mit gebundenen Händen eintrat, wich ihr alles Blut aus den Wangen, und sie heftete die geisterhaften großen Augen nach ihm hin. Gaetano sah sie mit einem frechen Blicke und mit einem höhnischen Lächeln an und sagte halblaut:
»Ich empfehle mich Ihrem Wohlwollen und Ihrer Fürsprache, Signora.«
Der Gendarm versetzte ihm einen Stoß, und während das Weib in dem dunklen Seidengewande wie gebrochen durch die eine Thür verschwand, führte der Mann des Gesetzes seinen Begleiter durch die andere vor den Prälaten.
Auch Parelli war bleich, als er den Menschen mit seinem rohen Gesicht sah, an den er sich in diesem Augenblicke von Tivoli her deutlich erinnerte; seine frechen Reden von damals kamen ihm ins Gedächtnis, obgleich derselbe anscheinend tief demütig vor ihm stand; er gebot dem Gendarmen, ihn mit dem andern allein zu lassen, da es sich vielleicht um eine Beichte handle.
Sobald sich der Bursche mit dem Prälaten allein sah, veränderte sich seine ganze Haltung. Er richtete sich auf, warf den Kopf beinahe trotzig in den Nacken und schaute Parelli mit frechem Hohne an, so daß es diesem immer unheimlicher wurde. Endlich, nach einer kurzen, peinlichen Pause zwang er sich zu der Frage:
»Du hast mit mir zu sprechen verlangt; was willst Du?«
Der Bauer räusperte sich sehr vernehmlich und sagte:
»Eh, Monsignore – da haben sie mich wegen einer kleinen Dummheit festgenommen, weil ich einen, der falsche Würfel hatte, mit meinem Messer zu sehr gekitzelt habe, und dann machen sie mir den Vorwurf, ich hätte Geld gestohlen, neapolitanische Dukaten, und das ist nicht wahr. Das Geld habe ich erhalten von Signora Lucia – es waren wohlgezählte vierhundert Stück – ich habe aber gemeint, ich wollte sie nicht nennen, es könnte ihr oder auch Euch selbst unangenehm sein – he?«