Der Bauer fühlte, daß er den bleichen Mann vor sich in seiner Gewalt habe; er weidete sich einige Sekunden an der Angst desselben, dann trat er ganz nahe an den Polstersessel heran, beugte sich über Parelli und sagte, indem er ihm fest und wie mit dem bannenden Blick einer bösen Schlange ins Gesicht sah:

»Daß sie mein Weib ist! – Wie gefällt Euch das, Monsignore? He?«

Der Prälat war aufgesprungen und einige Schritte zurückgetreten; er rief halblaut:

»Du lügst, Bursche … das ist ein Erpressungsversuch.«

»Das Zweite mag sein – das Erste nicht! In Foligno habt Ihr sie kennen gelernt. Da waren wir schon zehn Jahre verheiratet und hatten einander überdrüssig, weil wir kaum zu leben hatten. Darum gingen wir auseinander, ich als Knecht in die Chiana di Sorrento, sie nach Foligno als Blumenhändlerin. Und sie war hübsch, ich kann's Euch nicht verdenken, daß sie Euch gefiel. Ihr brauchtet jemanden für Euer einsames Haus, und nahmt sie zu Euch, und habt sie in Sammt und Seide gesteckt, und sie erzählte Euch, sie sei eine Waise und stehe allein da in der Welt. Aber ich habe sie zu finden gewußt und sie hat mein Schweigen erkauft mit einem kleinen jährlichen Sümmchen. Dafür hab' ich mir ein bescheidenes Weingut erworben bei Sorrento und hause dort mit einem alten Weibe, das nichts von meiner Vergangenheit und von Lucia weiß. Und dorthin kam sie, als sie im Begriffe war, Euch einen Sohn zu schenken und lebte wieder unter meinem Dache, und auch Euer Kind ist bei mir. Ihr vermeint, jener Gaetano Vergani sei der Bruder Lucias, nein, Monsignore, er ist der rechtmäßige Gatte, und Ihr habt zu allem andern noch einen Ehebruch auf dem Gewissen … wie gefällt Euch das? He?«

Parelli hatte die Hände vor das Gesicht geschlagen und stöhnte; er rang nach Atem, nach Fassung. Was er hier hörte, traf ihn wie Keulenschläge, und das Bewußtsein einer furchtbaren Schuld lastete erdrückend auf seiner Seele. Er sank wieder auf seinen Sitz zurück, wie ein gebrochener, elender Mann, der rohe Bursche aber fragte frech:

»Eh, Monsignore – wie steht es mit den Dukaten? Und meint Ihr nicht, daß ich wegen der Messerstecherei frei kommen könnte? Etwas wenigstens, hoffe ich, werdet Ihr mir herunterhandeln … Denn wenn Ihr's nicht thut, dann muß ich der Welt doch erzählen, in welcher Verwandtschaft wir beide stehen, und das, denke ich, ist Euch nicht lieb!«

Der Prälat ließ die Hände sinken; sein Antlitz war noch blaß, aber es stand ein fester Entschluß auf demselben geschrieben. Er sprach leise, aber bestimmt:

»Ich habe schweres Unrecht auf der Seele – aber Du und Dein Weib, Ihr seid Schurken! Mir ekelt's vor Euch! Glaube nicht, Elender, daß Du mich mit Deinen Drohungen schrecken kannst; ich bin bereit, wenn es sein muß, für meine Schuld zu büßen, und am Stuhle des heiligen Petrus giebt es Verzeihung auch für den schwersten Sünder. Darum hoffe nicht, mir gegenüber ein Erpressungssystem ins Leben zu rufen, Du könntest Dich furchtbar täuschen. Die vierhundert Dukaten nehme ich auf mich, die Strafe für den Messerstich, welchen Du Deinem Genossen beigebracht, wirst Du unweigerlich tragen, und wenn Du sie überstanden hast, dann zahle ich Dir und Deinem Weibe je 500 Scudi ein für alle Mal. Unterfangt Ihr Euch, mich jemals wieder zu belästigen, so werde ich selbst Euer Ankläger – komme, was da wolle. So, jetzt sind wir fertig!«

Der Bauer stand ziemlich verblüfft da, Parelli aber rief den Gendarmen und gebot ihm, den Gefangenen wieder fortzuführen; er würde selbst dem Gerichte die weiteren Mitteilungen zugehen lassen.