Als der Bursche hinaus war, brach der Prälat aufs neue zusammen unter seiner Schuld, und mit gerungenen Händen fiel er vor dem Kreuzbilde nieder, das auf einem reichgeschnitzten Betpulte stand. Hier lag er noch, als sich die Thüre leise öffnete und Lucia hereintrat. Sie war todbleich, ihr Gang war schleppend, und da sie Parelli im Gebete sah, hielt sie fast erschrocken den Schritt an. Da wendete er sich um. In sein Antlitz schoß eine dunkle Röte; er sprang empor, seine Hände ballten sich, die Adern auf der breiten Stirne schwollen ihm an, und das Weib in dem schleppenden, dunklen Seidengewande stürzte vor ihm nieder und beugte die Stirne bis zur Erde, als ob sie ihm die Füße küssen wollte.

Der Prälat rang nach Selbstbeherrschung und er bezwang gewaltsam seine Stimme, so daß sie halblaut, aber tief grollend klang:

»Hinweg von mir, Elende!«

»Verzeihung – o Verzeihung!« stöhnte das Weib, noch immer mit dem Antlitz auf dem Teppich liegend.

»Verzeihung!« – stöhnte das Weib … (S. 323.)

»Ja wohl, Verzeihung – der Himmel mag uns verzeihen, Dir und mir … aber aus muß es sein zwischen uns für alle Zeit. Geh in die Einsamkeit und büße, wenn Du kannst, geh mit Deinem Manne, wenn er Dich noch mag, mich aber befreie von Deiner Gegenwart, denn von Dir geht ein Hauch der Sünde aus. Du wirst morgen noch mein Haus verlassen! Behalte alles, was Du je von mir empfangen, aber laß Dich nie wieder sehen vor mir – Du hast mich belogen, betrogen, bestohlen! Hier nimm diese kleine Summe noch« – er war zum Schreibtische geeilt, schloß ihn mit fieberhafter Hast auf und reichte ihr eine Rolle mit Goldstücken – »es ist das Letzte! Für unsern Sohn werde ich weiter sorgen.«

Das Weib wand sich auf den Knieen, aber es streckte die Hand nicht aus nach dem Gelde.

»Stoß mich nicht fort zu dem Elenden, der sich meinen Gatten nennt!« wimmerte sie.

Parelli warf die Rolle mit Goldstücken vor sie hin, daß sie sich öffnete und die Münzen herausrollten, dann wandte er sich schweigend und verachtungsvoll ab und verließ das Gemach.